Wohnungs- und Arbeitsplatznot bremst Integration

Das Brucker Tagblatt berichtete am 15.9.2017: Laut Statistik des Landratsamtes wohnten am 11. September noch genau 1691 Menschen in den vom Landratsamt angemieteten Quartieren und weitere 335 in von der Regierung ausgestatteten ehemaligen Gebäuden der Fürstenfeldbrucker Kaserne … Da die meisten der in den Notquartieren lebenden Menschen inzwischen eine Bleibeperspektive haben, gelten sie im Amtsdeutsch als „Fehlbeleger“, die eigentlich ausziehen müssten, jedoch in den Unterkünften bleiben, weil sie im Landkreis keine Wohnung finden. Vor allem diese 912 Betroffenen brauchen dringend Wohnraum und Arbeit … Die Zahl der Fehlbeleger hat sich im Laufe dieses Jahres mehr als verdoppelt … beschreiten jedoch fast alle, deren Anträge negativ beschieden werden, den Rechtsweg … Wohnungen für die Fehlbeleger zu finden, ist neben der Suche nach Arbeitsplätzen zurzeit das größte Problem der im Landkreis lebenden Flüchtlinge mit einem Schutzstatus.
Asylanträge von 574 der Schutzsuchenden werden noch bearbeitet. 540 Personen wurden ihre Anträge abgelehnt.

Information: Der Rat für Migration e.V. in Berlin hat im September 2017 ein Manifest für eine zukunftsfähige Migrations-, Flüchtlings- und Integrationspolitik verabschiedet: „Einwanderung gestalten, Flüchtlinge schützen“. Der Mediendienst Integration berichtet darüber: Die gestiegenen Flüchtlingszahlen hätten in den vergangenen beiden Jahren dazu geführt, dass die Debatten um Einwanderung zunehmend von einem „Abwehrnationalismus“ geprägt seien. Zuwanderer würden oftmals als Bedrohung für die Sicherheit und die Gesellschaft angesehen. Das konstatiert der Rat für Migration (RfM), ein bundesweiter Zusammenschluss von rund 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern … Die Bundesregierung habe in den vergangenen zwei Jahren dramatische Verschärfungen des Asyl- und Flüchtlingsrechts vorgenommen. Das widerspreche der weit verbreiteten Annahme, Deutschland hätte Flüchtlinge bedingungslos aufgenommen. „Die Bundeskanzlerin wird zu Unrecht als Kanzlerin der offenen Grenzen wahrgenommen“, betonte der Soziologe und RfM-Mitglied Albert Scherr bei der Vorstellung des Manifests in Berlin. Von den rund 450.000 Menschen, die Ende 2016 als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland lebten, hätten drei Viertel nur einen befristeten Aufenthaltstitel … Die bisherige Politik untergrabe die eigenen Werte und Gesellschaftsordnung. „Sie widerspricht der Europäischen Grundrechtecharta und bringt Deutschland und die EU in Abhängigkeiten von autokratischen Regimen“.
Das Manifest ist hier zu lesen.