Über Opfer und Täter im Schlachthof FFB

Stellungnahme der Initiativen Kulturraum Fürstenfeldbruck und Sozialforum Amper zu den Missständen im Brucker Schlachthof anlässlich der Presseberichte vom 8.5. und 11.5.
In den Presseberichten heißt es: „Der Tierschutzbeauftragte des Brucker Schlachthofes soll gegen den Tierschutz verstoßen haben … Die Missstände an bayerischen Schlachthöfen halten sich offenbar hartnäckig.“ Es heißt des weiteren, der Betrieb soll mit neuem Personal neu eröffnet werden. Eventuell sollen seine Aus- und Weiterbildung überwacht bzw. gefördert und die Kontrollen verbessert werden. Das klingt gut, wird der Ursache aber nur zum Teil gerecht. Das Personal bestand auch aus Metzgermeistern, die für ethisches und gesetzestreues Handeln zu sorgen haben. Sie haben gewissenlos gehandelt, denn zumindest wussten sie von der Tierquälerei. Eine Folge des Schlachtens als Beruf? Das Problem heißt „Töten“ aus Zweckgründen und „Schlachten“ aus Gewohnheit.

Kontrollen stoßen auf Grenzen und erfordern stets die Kontrolle der Kontrolleure. Privatisierte Kontrolle dient zuallererst der Gewinnerzielung der Unternehmen und der Existenzsicherung ihrer Angestellten. Kontrolle ist hier eine technisch-organisatorische Ware. Ethische Grundsätze sind ein Marketing-Pluspunkt und bleiben papieren. Es fehlt die konsequente staatliche Überwachung. Videoaufzeichnungen des Tagesgeschehens sind angesagt. Weshalb gab es sie nicht?
Weggesehen haben in den beengten Räumlichkeiten alle. Eine Folge des sogenannten „Gruppendrucks“ oder der Gewöhnung an Verhältnisse, die man als normal bzw. unveränderlich ansieht? Herrschte blindes Vertrauen oder eine „Geht-mich-nichts-an/Ich-halt-mich-raus“-Haltung? Zynisch wirken Hinweise auf das sogenannte „anonyme“ Handeln der Tierschutzaktivisten, deren Arbeit im Hinsehen, Dokumentieren und Öffentlichmachen besteht. Aktivitäten, die überflüssig gewesen wären, hätten die für das Haus Verantwortlichen nicht wie die bekannten drei bewusstlosen Affen gehandelt.
Der „interne Mitarbeiter“, der als Whistleblower das Video machte, soll anscheinend zum Täter gestempelt werden, obwohl er Lob verdient hätte. Man kennt es: Die Ertappten konstruieren ein Feindbild, um von ihrer Verantwortung abzulenken. Wer protestiert wird zum „Nestbeschmutzer“, Täter werden zu Opfern und Tierquälerei zum Kavaliersdelikt.
Falls der Tierschutzverein aus veganer Ideologie heraus das Schließen aller Schlachthöfe zu erreichen versucht, wäre das ein falscher Ansatz. Seine Aufklärungsaktionen erweisen sich derzeit jedoch als unverzichtbar.
Ein Neuanfang unter demokratischer Kontrolle ist erforderlich. Wir meinen, die Gründung einer sozial und ökologisch organisierten Genossenschaft unter Beteiligung der Biobauern und des Biohandels könnte ein guter Anfang sein.
Fürstenfeldbruck, 14.5.17


Aus Gröbenzell erreichte uns folgende Meinungsäußerung:

„Es ist sehr traurig, wie sich die allgemeine Verrohung im Menschen immer mehr verbreitet. Und da tut es so gut, einen Zeitungsartikel zu lesen, bei dem Wahrheit und das Herz über dem rollenden Rubel steht. Ganz sicher spricht Ihr Artikel sehr viele Menschen an und bringt ein Nachdenken. Vielleicht darf sich durch Ihre Worte wieder im einen oder anderen das Gefühl des Dankes an die Tiere regen, die ihr Fleisch für uns geben, wenn wir davon essen wollen.Und vielleicht darf die Aufdeckung des schrecklichen Umgangs mit Tieren am Beispiel „Schlachthof Fürstenfelbruck“ durch Ihre Sicht in die Richtung führen, sich wieder bewusst zu werden, Mensch zu sein.“