Markiert: Afd und rechte Propaganda

Zur Geschichte der Entnazifizierung und bleibende Fragen

Eine kleine Materialsammlung zum Thema.
Aus einem Artikel in der Zeitschrift GEO-EPOCHE: Auf das Schema der Beschuldigung reagieren die Deutschen mit einem Schema der Entlastung. In den Akten finden sich die immer gleichen Wendungen: „… hat sich während der ganzen Jahre vollständig passiv verhalten…eifriger Besucher der Kirche … war ein aufrichtiger und ehrlicher Mensch …nur gezwungen Parteigenosse und nie Gesinnungs-Parteigenosse.“ … Am 5. 3. 1946 erhalten die Deutschen das Mandat, sich selber von ihrer Vergangenheit zu entgiften – mit dem „Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“, dem so genannten „Befreiungsgesetz“ … Es finden sich nicht viele Deutsche, die bereit sind, über ihre Mitbürger zu richten. Manchem gelten sie als Verräter … Entnazifizierung und Rehabilitierung sind nicht mehr zu unterscheiden … Die Entnazifizierung ist erledigt – lange vor ihrem offiziellen Ende im Jahre 1950. Der beginnende Kalte Krieg lässt sie endgültig erstarren … Offiziell endete die Entnazifizierung in der Bundesrepublik Deutschland im Dezember 1950 per Bundestagsbeschluss …
Quelle: https://www.geo.de/magazine/geo-epoche/10792-rtkl-entnazifizierung-ein-volk-vor-gericht
Erfahrungsberichte: http://www.deutschlandfunk.de/entnazifizierung-nach-1945-bluetenweiss-ins.1310.de.html?dram:article_id=378246
Weitere Quellen: https://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39605/entnazifizierung-und-erziehung?p=all
Aus einem SZ-Bericht zur Ausstellung „Who was a Nazi? Entnazifizierung in Deutschland nach 1945“ in Alliiertenmuseum Berlin 2015/16: … eine US-Korrespondentin des New Yorker schrieb (in den 40er-Jahren): „Während sie sich in Klagen über Hunger, verlorene Wohnungen und andere Leiden ergehen, bringen die Deutschen für das Leid und die Verluste, die sie anderen zugefügt haben, kein sonderliches Interesse oder Mitgefühl auf.“
SZ-Bericht zur Ausstellung: http://www.sueddeutsche.de/politik/entnazifizierung-wieviel-nazi-steckt-in-deutschland-1.2694869
Ein Buch: Niklas Frank schreibt in seinem Buch „Dunkle Seele, feiges Maul“ über die misslungene Entnazifizierung. Dafür hat er Tausende Akten studiert. Frank ist der Sohn von Hans Frank, Generalgouverneur von Polen, als Kriegsverbrecher bei den Nürnberger Prozessen 1946 gehängt. Er ist bekannt als der „Schlächter von Polen“. Franks Mutter Brigitte galt als „Königin von Polen“. – Der Autor Niklas Frank sagt: „Das ,Aufräumen‘ mit den Juden hat einfach niemanden gekümmert. Die hatten zwar alle ein schlechtes Gewissen, doch über die Abtransporte wurde hinweggesehen – lieber hat man sich aus der verlassenen jüdischen Wohnung die Kommode geholt.“ Für den Autor Niklas Frank war die Entnazifizierung ein Fehlschlag. Ein Gespräch über mangelndes Schuld- und fehlendes Rechtsbewusstsein sowie die Gewissenlosigkeit der AfD heute: http://www.fr.de/kultur/man-haette-die-nazis-dazu-bringen-muessen-ueber-ihre-feigheit-zu-sprechen-a-1020335
Mehr über das Buch und seinen Autor: http://www.deutschlandfunk.de/entnazifizierung-nach-1945-bluetenweiss-ins.1310.de.html?dram:article_id=378246
„War mein Vater ein Nazi? War mein Großvater in der SS? Wer in meiner Familie war ein Täter? Tipps zur Recherche zur eigenen Familie in der NS-Zeit“ – ein Dossier: https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/was-machte-grossvater-der-nazizeit-eine-anleitung-zur-recherche-15479

Gulaschsuppe mit Sekt – Stadtrat Bahners „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“

Die Brucker SZ berichtete am 1.2.18 vom Neujahrsempfang der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst: Weil die Luftwaffe bei einem Gläschen Sekt mit dem ganzen Spektrum der Zivilgesellschaft ins Gespräch kommen will, dürfen auch Christian Franke, der Kreischef des Lehrerverbands, und dessen Ehrenvorsitzende Inge Heining nicht fehlen … haben sich im Schein der drei Kronleuchter abermals Landtagsabgeordnete, Bürgermeister sowie Bezirks-, Kreis- und Stadträte ebenso eingefunden wie hochrangige Vertreter von Polizei, Banken und Kirche. … Herwig Bahner (FDP) leitet das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr am Standort Bruck, das wohl als letzte Einrichtung dicht gemacht wird. Bahner … müsse nicht nur „das Licht ausmachen“, sondern – dann wohl schon von Dunkelheit umfangen – anschließend „den Schlüssel umdrehen“.
Kommentar: Wozu das Spektakel gut war, blieb von den Kronleuchtern unbeleuchtet. Denn von einem „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“ konnte nicht die Rede sein, abgesehen vom Small Talk altbekannter Prominenz-Gesichter der Stadt (darunter Landrat Thomas Karmasin, Sparkassenchef Klaus Knörr, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler und Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf) mit den Repräsentanten der Standort-Bundeswehr am Buffet. Nur einer, so ist zu vermuten, hat die Gunst der Stunde genutzt. FDP-Stadtrat Herwig Bahner, der das Dienstleistungszentrum Fliegerhorst leitet, hat dem Brigadegeneral vermutlich seine Kanzlerinnen-Abneigung vorgetragen, weil sie die „Bundesliegenschaften kostenlos für sogenannte Asylbewerber zur Verfügung stellt“, und dem Landrat Karmasin seine Abneigung gegenüber „dem Landkreis, der sich auf dem Rücken der Menschen in Bruck als Musteraufnahme-Landkreis einen schlanken Fuß macht“. Und den anwesenden Stadträten wird er vermutlich ins Gesicht gesagt haben, was er von ihnen hält, weil sie „die das sprichwörtlich kleinere Übel bewusst ablehnen und das Risiko einer noch viel höheren und unbefristeten Belastung bewusst eingehen“, denn „die jetzige Entscheidung bedeutet … alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Welt, auf nach Deutschland (aber nicht nach Bruck). Geht’s noch heuchlerischer?“ So schrieb der Mann in seinem Leserbrief an das Brucker Tagblatt (24.1.18). Herr Bahner outet sich als AfD-Propagandist. Sein Geist, so scheint es, ist bereits „von Dunkelheit umfangen“.

Bier, Schnaps, Kommerz, Zensur, Rechtsruck?

Eigentlich ist die Meldung im Brucker Tagblatt vom 26.1.18 banal: „An Tankstelle – Drei junge Männer klauen Bier und Schnaps. Die Polizei hat drei Asylbewerber geschnappt, die in der Shell-Tankstelle an der Augsburger Straße in Bruck Alkoholika geklaut haben. Ihnen wird nun räuberischer Diebstahl vorgeworfen.“
Kommentar: Wie lässt man Menschen in Deutschland leben, die von einem Leben in Arbeitslosigkeit und von Kriegsgräuel gezeichnet sind oder dem entfliehen wollen? In der Asylunterkunft Am Hardtanger sieht es wie in allen Unterbringungslagern aus: Langeweile, Beziehungslosigkeit Stress untereinander, Zukunftslosigkeit … Vor allem junge Menschen kommen da gerne auf den Gedanken, im Alkoholnebel diesem würdelosen Zustand zu entkommen – wenigstens für ein paar Stunden. Reicht das Geld dafür nicht, tun Jugendliche Unerlaubtes und werden auch mal renitent. Das zu wissen, macht ihre Taten nicht besser. Aber weshalb sind deutsche Behörden nicht in der Lage, die Lage dieser Menschen zu verbessern, damit sie nicht auf solche Gedanken kommen? Das geht nicht? Es geht sehr leicht und muss nicht einmal viel Geld kosten: Begegnungsmöglichkeiten schaffen und Kennenlernen ermöglichen, Wünsche und Bedürfnisse besprechen, gemeinschaftliche Kommunikation und Unternehmungen organisieren – vor allem aber braucht es die Vermeidung von Isolation und die Bereitstellung nachhaltiger Beschäftigungstrategien! All das ergibt sich fast von selbst, wenn „wir“ nicht von „den anderen“ getrennt leben müssen und „die“ sich von „uns“ anerkannt fühlen, weil wir uns mit ihnen austauschen können. Das lässt sich mühelos organisieren, stellt man die nötigen Örtlichkeiten zur Verfügung.
Fritz Burkhardt vom „Kartoffelkombinat München“ erklärt anhand eines gelungenen Integrationsbeispiels, wie geflüchtete Menschen in unsere Gesellschaft langfristig und erfolgreich integriert werden können.
Laut Brucker Tagblatt vom 28.1.18 ist für OB Erich Raff das Sportzentrum im Westen mit einer Turnhalle für den Vereinssport eine Herzensangelegenheit. Er sagte: „Ich sehe es ebenfalls als Pflichtaufgabe an, Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, wo junge und alte Brucker sich treffen können.“ – Davon war bislang nichts zu merken, Herr Raff. Wo sind diese Einrichtungen denn? Sind kommerzielle gemeint oder geht es auch kommerzfrei? Dürfen sich dort Rechtsradikale zur Gründung völkisch-rassistischer Vereine treffen oder auch oppositionelle Demokraten, die dem rechten Spektrum nicht zuzuordnen sind und ihm konsequent entgegentreten? Im öffentlichen und sogenannten „Bürgerpavillon“ der Stadt in der Heimstättenstraße jedenfalls hat die Stadt bislang schon zweimal mit Zensurmaßnahmen dafür gesorgt, dass politisch motivierte Informationsabende nicht stattfinden konnten. Zweierlein Maß mit welchem Ziel, Herr Raff? CSU-Veranstaltungen in öffentlichen Räumen Puchheims lassen an der Geisteshaltung verantwortlicher Teile ihrer Mitgliedschaft zweifeln. Setzt sich deren Rechtsruck auch in Bruck durch?
»Wenn es normal wird und sich die Menschen daran gewöhnen, dass es in Deutschland Zonen reduzierter Menschenwürde gibt – Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünfte, Auffanglager, Kasernen, Gefängnisse und die öden Wartezonen der Hartz IV-Behörden –, dann geht hierzulande tatsächlich das Licht aus. Wir geraten dann auf eine abschüssige Ebene, und den Trend dann noch umzulenken würde dem Versuch gleichkommen „auf der Schussfahrt zu wenden“ (Herbert Grönemeyer).« Was bekanntlich nicht funktioniert, weil es dann zu spät ist. Deshalb fügt der Autor an: „Drehen wir also den Zeitgeist und die gesellschaftliche Realität, so lange es noch geht!“ – (Roland Rottenfußer auf dem Portal „Hinter den Schlagzeilen„) Frage: Geht es noch – und mit wem?

Die völkisch-rassistische „Identitäre Bewegung“ in den Räumlichkeiten des Turn- und Sportvereins TuS Fürstenfeldbruck

Die völkisch-rassistische „Identitäre Bewegung“ (IB) hat nach eigenen Angaben in Fürstenfeldbruck eine Ortsgruppe gegründet. Das gab sie am 20.1.18 bekannt. Die Gründungsversammlung fand in den Räumlichkeiten des Turn- und Sportvereins TuS Fürstenfeldbruck statt.
Bericht in der Brucker SZ vom 25.1.18: „Die Identitäre Bewegung gründet eine Ortsgruppe in Fürstenfeldbruck. Schauplatz ist das Gasthaus Auf der Lände. Dort haben sich die Mitglieder wohl mit einem Trick einen Raum gesichert“.

Bericht im Brucker Tagblatt vom 26.1.18: „Die Polizei nahm die Gründung gestern zur Kenntnis. Handlungsmöglichkeiten gebe es im Moment nicht. Allerdings sei man nicht begeistert …“
Kommentar: Parolen wie „Die Heimat und das Eigene schützen“ finden stets Anhänger bei schlichten, aber auch bei intelligenten und nachdenklichen Menschen mit einem mangelnden Selbstvertrauen und einem angekratzten Identitätsbewusstsein. Daraus keimen  Ängste auf und ein Bedürfnis nach Schutz. „Sicherheit und Ordnung“ war schon immer der Wahlspruch des Untertanengeists, der bereit ist, Führern zu folgen und im Zweifel selbst zuzuschlagen. Dieser psychischen Verirrung und antihumanistischen Haltung kann nur mit detaillierter Aufklärung und echter und ehrlicher Sozialpolitik begegnet werden.
„Empört euch“, singt Konstantin Wecker, gemeinsam mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie – jede/r der Musiker/innen stammt aus einem anderen Land. Empören wir uns, auch gegen die dumpfbackigen Rechtsaußen mit ihrer heimatsäuselnden Maskerade, mit der sie unsere Kinder verführen. Am Ende werden sie gegen Andesdenkende Gewalt anwenden. Mit den gleichen Lügen wie damals in der kackbraunen Zeit der Unmenschlichkeit.
Hier finden sich viele gute und kostenlose Publikationen, die demokratisches Engagement unterstützen.

„Gewagte“ und ver-rückte Meldungen

Brucker SZ vom 22.1.18: Der Festredner des Neujahrsempfangs der Puchheimer CSU wartet mit gewagten Thesen auf. So hält der Politologe Edgar Ludwig Gärtner das Problem der Radioaktivität für „völlig überbewertet“ … das Strahlungsniveau, das momentan um das explodierte Atomkraftwerk (AKW) in Fukushima herrsche, „optimal“ für die Menschen … Leute, die in Kernkraftwerken arbeiten, werden sehr alt und bekommen keinen Krebs … Menschen in Hiroshima, die eine mäßige Strahlung abbekommen haben, sind ebenfalls viel älter geworden als die Normalbevölkerung … Man hätte anfangen sollen mit kleinen Reaktoren, die sich die Menschen in den Vorgarten hätten stellen können  … Glyphosat ist das ideale Herbizid und ein harmloser Stoff“ … CSU-Ortsvorsitzender und Gastgeber Markus Hammer findet die Gedanken des Festredners durchaus schlüssig.Interview mit dem CSU-Vorsitzenden Puchheim.

Brucker SZ vom 23.1.18: Fünf Jahre Streit um belastete Straßennamen. In Bruck werden Hunderte Alternativvorschläge eingereicht, doch viele Anwohner lehnen Umbenennungen weiterhin ab. Einigkeit besteht darin, nun endlich das kontroverse Thema abzuschließen … Der Kultur- und Werkausschuss sowie ein Arbeitskreis Straßennamen schieben sich das heikle Thema seit Jahren gegenseitig zu. Im Verlauf dieser Prozedur hat die Mehrheit der Stadträte von siebzehn Namensgebern bereits neun rehabilitiert, darunter den Wehrwirtschaftsführer Willy Messerschmitt, der den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen forderte. Umbenannt werden sollen nur noch sechs Straßen, die Langbehn-Straße in Puch, gewidmet einem fanatischen antisemitischen Schriftsteller, sowie die Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller- und Zenettistraße in der Flughafensiedlung, die nach Offizieren und Piloten der Wehrmacht benannt sind. Strittig sind Reichspräsident Paul Hindenburg und der Weltraumpionier Wernher von Braun, weil eine Umbenennung im Arbeitskreis jeweils an einem Patt scheiterte.

Angriff auf die Sowjetunion kein Verbrechen mehr? In Russland wird dieser Tage des 75. Jahrestages des Sieges über die Hitler-Wehrmacht in Stalingrad gedacht. Was macht Deutschland? In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung, dass man den Krieg gegen die Sowjetunion nicht insgesamt als verbrecherisch bezeichnen könne. Man müsse „Einzelfälle“ prüfen.

„Hitler“ muss mit Anzeige rechnen

Meldung im Brucker Tagblatt vom 14.1.: Olchinger zeigt Hitler-Gruß in der S3 – fast wäre er nur mit Platzverweis davongekommen … Als der Mann wegging, drehte er sich aber erneut um, hob den rechten Arm zum Hitlergruß und schrie wieder „Heil Hitler“. Er muss deshalb nun mit einer Anzeige rechnen, teilte die Bundespolizei mit.
Fragen: Heißt das nun, man darf an einem Platz jeweils zweimal „Heil Hitler“ schreien und erhält dann lediglich einen Platzverweis? Heißt das, erst nach dreimaligem „Heil Hitler“-Schreien muss man mit einer Anzeige rechnen? Ab dem Wievieltenmal wird man in Haft genommen? Ab dem Wievieltenmal wird man in die Psychiatrie gebracht? Heißt das, jeder darf einmal „Heil Hitler“ schreien, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen? Oder sind Konsequenzen abhängig vom Toleranzverhalten der anwesenden Mitbürger und Ordnungskräfte? Haben letztere die Rechtsvorschriften konsequent umgesetzt oder nur halbherzig oder sie zuvor diskutiert und demokratisch über ihre Anwendung abgestimmt? – Nix Genaues weiß man nicht …

Eine deutsche Weihnachts- und Silvestergeschichte 2017/2018

Sind wir zur Dummheit verurteilt? Siegt die Unvernunft? – Am 29.12.17 berichtete die Brucker SZ über ein „Flüchtlingsschicksal“. Es handelt von Hamza Rian aus Pakistan. „Ich würde gerne einen Beruf lernen, um etwas für die Zukunft zu haben, erzählt Rian …“. Der Junge aus Pakistan will in Deutschland heimisch werden. Als Geflohener vor den Taliban müsste ihm Asyl gewährt werden. Doch „seine Geschichte überzeugte den Sachbearbeiter beim BAMF … nicht. Sein Asylantrag wurde im Januar 2017 ablehnt“. Schon 2016 stellten „Mitschüler eine Petition gegen seine Abschiebung ins Internet und sammelten damals über 7.000 Unterschriften“ für sein Bleiben. Über ihn heißt es: „Er ist besonders in Mathe sehr begabt“ und „Hamza ist gut integriert und wäre sicherlich ein guter Koch geworden“. Darf er aber nicht. Der Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Brucker Ausländerbehörde sagt: „Die Anerkennungsquote beträgt für Pakistani vier Prozent …“. Ähnlich sei die Quote für Afrikaner aus Nigeria. Für Flüchtlinge aus Afghanistan betrage sie 40 Prozent, für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak liege sie noch darüber. „Wenn ein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, bekommt in der Regel niemand eine Arbeitserlaubnis.“ Es komme da folgender Rechtsgrundsatz zum Tragen: „Ein unsicherer Aufenthaltsstatus darf nicht verfestigt werden.“
Ein deutsches Gesetz schreibt also vor, ihm das Recht auf Arbeit zu nehmen. Statt dessen wird er in die Containeranlage Am Hardtanger in Fürstenfeldbruck gesteckt, wo er nichts tun darf als Warten auf einen Gerichtstermin. Er ist „zum Nichtstun verurteilt“. Sein Leben erscheint ihm hier sinnlos geworden. Wird er abgeschoben, ergeht ein „Schubauftrag“ an die Landespolizei. Die „schiebt“ ihn dann in ein Flugzeug, das ihn nach Pakistan bringt. Wenn er Pech hat, zurück in die Fänge der Taliban.
Man sieht, in Deutschland läuft alles geregelt ab, Sicherheit und Ordnung sind gewährleistet. Selbstverständlich auf Kosten individueller Menschlichkeit. Der dumme Volksmund sagt: Sonst könnte ja jeder zu uns kommen und sie für sich beanspruchen wollen! Unser Recht auf ein menschliches Zusammenleben teilen wir gerne miteinander. Aber nicht mit solchen, die nicht „unsereins“ sind, nicht mit „Fremden“.
Wir sind zwar alle das Ergebnis von Völkerwanderungen und Vermischungen, und Aufgeklärte wissen, dass genetische Mischung überlebenswichtig ist für Völker, also für Menschengemeinschaften. Dumme Menschen aber glauben, Ab- und Ausgrenzung, Grenzabschottung, Mauern und Schießbefehle helfen, eine nicht vorhandene Reinheit der Abstammung zu erhalten. Sie glauben sogar, es gäbe eine „heimatliche Identität“, die vor „Umvolkung“ geschützt werden müsse. Ihre Thesen, die Gift für das Gemeinwohl der Gesellschaft sind, lauten unter anderem: „Migration führt zu Destabilisierung“; „Nicht-Deutsche“ würden … „Gewalt und Terror verüben und das Wohlfahrtssystem ausnutzen“; „Angriff auf deutsche Identität/Kultur“, obwohl es DIE deutsche Kultur gar nicht gibt; „Der politische Gegner ist schlecht“; „Volksverräter“; „Politiker, die nicht die Interessen der Bevölkerung vertreten“; „Fremdherrschaft“; EU als „Diktatur“; „Lügenpresse“; „Nazikeule“; „Der Untergang ist da“. Die Aufzählung von Terrorakten und die Verwendung von Begriffen wie „Asylflut, Flüchtlingswelle und Masseneinwanderung“ setzen ankommende Geflüchtete mit (Natur-)Katastrophen gleich. Und stets wird „Sicherheit“ als Argument vorgeschoben, wo es in Wahrheit um eine Wagenburgmentalität geht, die Horst Seehofer einmal mit „unserem“ Christlichsein verglich, welches sich so schon an den Grenzen zeige. Damit füllte er die „Lücke der CSU nach rechts“. Inzwischen hat die CSU  einen verschärften Kurs gefordert, im Zentrum steht die Kürzung der Sozialleistungen für Asylbewerber.
Der Politikwissenschaftler Reinhard Wolf, Professor für Politikwissenschaft in Frankfurt/Main warnt,  es sei durchaus zu befürchten, dass die gegenwärtig zu beobachtende „politische Emotionalisierung und ideologische Polarisierung weiter voranschreiten werden“, womit die „demokratische Diskussionskultur in Gefahr“ gerate. Francisco de Goya schuf um 1800 in seinen „Caprichos“ den unvergesslichen Satz: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.
Ein Monitoring-Bericht der Amadeu Antonio Stiftung analysiert diese negativen Zeiterscheinungen und erklärt, wie ein Dagegenhalten sinnvoll wird: „Wir müssen lernen, nicht nur zu zeigen und zu beschreiben, wie Demokratie und Pluralismus funktionieren, sondern zu erzählen, wie sie erlebt werden, welche Wirkungen sie auf die Beteiligten haben, welche Energien sie freisetzen, welche Lösungen sie ermöglichen, wo sie beginnen und wo sie in unserer Gesellschaft bereits zu finden sind.“ – hb
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wendet. Die Stiftung ist nach Amadeu Antonio benannt, der 1990 von rechtsextremen Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt wurde, weil er schwarz war. Er war eines der ersten von heute fast 200 Todesopfern rechtsextremer Gewalt seit dem Fall der Mauer. Der Bericht.

Vorsicht bissige Satire
– aber ist sie so abwegig?
Aktueller „Bescheid zur Willkommenskultur“
an Herrn H. R. aus Pakistan, derzeit im Wartestand im Container am harten Anger in Fürstenfeldbruck.

Ausbildung zum Morden gestern – Hakenkreuze und Schlagringe heute

„Angeblich eine rechtsextreme Gruppe“!? – Die Brucker SZ berichtete am 30.11.17:Razzia bei vier Mitgliedern der ‚Bavarian Vikings‘ im Landkreis … Ermittlungen gegen Angehörige einer Gruppe namens „Bavarian Vikings“ wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung … Dabei soll es sich angeblich um eine rechtsextreme Gruppe handeln … Der Schwerpunkt der Aktion lag in Niederbayern, allerdings wohnen vier der 21 Beschuldigten in Bruck, Eichenau und Mammendorf … Bei den Beschuldigten seien fünf Hakenkreuzfahnen, ein Abzeichen mit einer Lebensrune und eine Notiz mit einem Hakenkreuz sichergestellt worden, teilte das Ministerium mit … Der Bayerische Rundfunk hatte nach der Razzia berichtet, Ausgangspunkt der Ermittlungen seien Angriffe gegen zwei Somalier Ende vergangenen Jahres im Raum Fürstenfeldbruck gewesen, den Mitglieder der Gruppe begangen haben sollen …“
Aktuelle Medienberichte zum Buch des Gröbenzeller Geschichtswissenschaftlers Sven Deppisch „Täter auf der Schulbank. Die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei und der Holocaust“ in Fürstenfeldbruck:
Während NS-Zeit: Ordnungshüter als Massenmörder. Nationalsozialismus – Wie Ordnungshüter während der NS-Zeit zu Massenmördern wurden. Eine neue Studie enthüllt die zentrale Rolle der Polizeischule in Fürstenfeldbruck für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. – Von Peter Bierl in der SZ
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/nationalsozialismus-wie-ordnungshueter-waehrend-der-ns-zeit-zu-massenmoerdern-wurden-1.3763115
Gröbenzeller Historiker enthüllt – „Judenmörder“: Die dunkle Vergangenheit der Brucker Polizeischule. – Von Eva Strauß im Merkur
https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/fuerstenfeldbruck-ort65548/dunkle-vergangenheit-polizeischule-fuerstenfeldbruck-9385332.html
Die dunkle NS-Vergangenheit einer Polizeischule. Die Polizeihochschule in Fürstenfeldbruck bei München hat einen guten Ruf und eine lange Tradition. Sie hat aber auch eine dunkle Vergangenheit: Sie diente als Kaderschmiede des NS-Regimes. – Von Christian Stücken im BR
https://www.br.de/nachrichten/fuerstenfeldbruck-die-dunkle-ns-vergangenheit-einer-polizeischule-100.html
Historiker enthüllt NS-Vergangenheit der Polizeischule. Für den Judenmord trainiert. – Von Dieter Metzler
https://www.kreisbote.de/lokales/fuerstenfeldbruck/historiker-enthuellt-ns-vergangenheit-brucker-polizeischule-9402907.html

Polizeischule vermittelte „Bandenkampf“und Judenmord. – https://www.pressreader.com/germany/muenchner-merkur/20171124/281797104302407
Fürstenfeldbruck: Die dunkle NS-Vergangenheit einer Polizeischule | Kontrovers | BR-Fernsehen – https://youtu.be/Gx06TJgFdx8
Polizeischulen im Dritten Reich. Die Massenmörder aus Fürstenfeldbruck. ​Ein Historiker hat ein Buch über die Rolle der Hochschule im Dritten Reich geschrieben. – http://www.bild.de/regional/muenchen/fuerstenfeldbruck/polizeischule-ffb-drittes-reich-53945836.bild.html
Das Buch: http://www.tectum-verlag.de/tater-auf-der-schulbank.html
2013 erschien dieses Buch: J. Schröder: „Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“. Rezensiert von Sven Deppisch, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-21756

Straßennamen sind ein Bekenntnis

Die Brucker SZ berichtete am 8.11.17 über die Debatte der Straßenumbenennungen in FFB: „Bis Anfang Oktober haben sich 401 Brucker online und 130 per Vordruck aus dem Rathausreport an einer Umfrage der Stadt beteiligt und teils gleich neue Namen für die betroffenen Straßen vorgeschlagen.“ Eine Umbenennung von Straßen wurde von vielen, vor allem von Bewohnern der Langbehnstraße in Puch,  auch dann abgelehnt, „wenn deren Namensgeber dunkle Kapitel in ihrer Biografie aufweisen – vor allem in den Jahren der Nazi-Diktatur“. Als Kompromiss werden Zusatzschilder befürwortet, „auf denen diese dunklen Kapitel in kurzen Texten beleuchtet werden“. Der städtische Arbeitskreis, der sich mit der Thematik befasst, will aufgrund eines Abstimmungs-Patts die Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße und der Hindenburgstraße nicht mehr empfehlen. 17 Straßen bleiben in der Diskussion. Darunter „die nach einem antisemitischen Schriftsteller benannte Langbehnstraße in Puch sowie die Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller- und Zenettistraße in der Flughafensiedlung, die nach Offizieren und Piloten der Wehrmacht benannt sind“. Anfang 2018 soll weiter diskutiert werden und im April 2018 soll der Stadtrat sein Placet geben.
Kommentar: Sicherlich sind die Ablehner von Umbenennungen, also auch die Bewohner der Langbehnstraße keine Nazis. Weshalb sie sich aber zum Straßennamen eines Antisemiten und Befürworter faschistischer Gewalt bekennen, bleibt für viele Menschen, die für eine demokratische, völkerverbindende und gewaltvermeidende Politik eintreten, unerfindlich. Denn Argumente wie „egal“ oder „verjährt“ oder „halb-so-schlimm“ haben den Effekt der Verharmlosung. Sie atmen den Geist der  Vertuschung in den Jahren nach 1945: „Wir hatten damit nichts zu tun“ und des „Jeder kann sich irren und Fehler machen“. Haltungen dieser Art verhindern die immer noch nicht ausreichende Aufarbeitung der deutschen Weltkriegs-Schuld, der Judenpogrome und der Demokratieverunglimpfung. So liefern sie der AfD und anderen Rechtsaußen-Parteien propagandistisches Futter. Und damit sind sie unseren Kindern und der Schuljugend ein negativ-trauriges Vorbild. Anstatt ihnen mit einem Einsatz für die Umbenennung der Straßen durch Namen der Opfer des deutschen Faschismus und von Kämpfern für Demokratie, Frieden und Völkerverständigung eine Haltung vorzuleben, die neuen Nazi-Wahnsinn von vornherein verhindern hilft. Das ist ihnen und dem Brucker Stadtrat unabdingbar abzufordern! Übrigens: Schilder mit Hinweisen auf die früheren Straßennamen und den Grund für ihre Umbenennung anzubringen, ist auch dann möglich und sinnvoll.

KEIN WAHLKAMPF MIT FLÜCHTLINGEN! Gespenstische Szenarien werden dargestellt und Menschen in Schrecken versetzt

Die Münchner Caritas-Initiative „Akademie der Nationen“ veröffentlichte folgende Stellungnahme:
Die Zeit des Wahlkampfes ist immer eine besondere Zeit. Konflikte und Gegensätze spitzen sich zu. Die Parteien bangen um Stimmen und dafür ist jedes Argument gut. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Minderheit, wie aktuell Flüchtlinge, als Spielball der Kontrahenten fungieren. Nachdem rechtspopulistische Parteien auch in Deutschland stärker werden, steht das Thema Einwanderung im Mittelpunkt. Neben der Sicherheit scheint Integration die Bürger am meisten zu beschäftigen. Um sich vor der Wahl von den Konkurrenten zu unterscheiden wollen Parteien, die sich sozial nennen, Flüchtlingslager in Afrika in Ländern, die selbst besonders arm und zerbrechlich sind, errichten. Dort sollen Flüchtlinge aufgehalten werden und die Reise zum ersehnten Europa gar nicht erst fortsetzen. Andere wollen die definitive Schließung der Grenzen oder ein Einwanderungsgesetz, das nur die richtigen Migranten ins Land lässt. Im Zuge solcher Kampagnen wird das gesamte gesellschaftliche Klima rauer. Vielerorts treten Neonazis auf und provozieren Flüchtlinge und Andersdenkende. Auf der anderen Seite werden ausländerfeindliche Initiativen fortgesetzt. So sind neulich beispielsweise Flugblätter gegen Flüchtlinge in Münchener Briefkästen gelandet. Darin enthaltene Zitate von Thilo Sarrazin und Ex-ifo-Chef Werner Sinn schüren Angst vor dem Untergang des deutschen Deutschland. Gespenstische Szenarien werden dargestellt und Menschen in Schrecken versetzt. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung wird nicht geschont und ständigen Beleidigungen und Attacken von rechten Parteimitgliedern ausgesetzt. Eine derartige Wahlwerbung schafft ein vergiftetes Klima, welches die Spaltungen in der Gesellschaft verschärft und das Zusammenleben erschwert. Einmal in die Welt gesetzt sind solche Haltungen schwer aufzuhalten und können im Gegenteil weiter zunehmen. Es wäre wünschenswert, dass alle Parteien, die sich demokratisch nennen, sich ernsthaft einsetzten, um solche extremistische Darbietungen zu stoppen. Im Moment ist leider nicht viel davon zu sehen.

Caritas „Akademie der Nationen“, Lämmerstraße 3, 80335 München, Tel.: 089/55169-831