Prüfung eines Klinikverbundes zwischen Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech und Weilheim-Schongau

Noch eine geplante Fusion: Sie könnte „durch eine verstärkte Kooperation … künftig Synergieeffekte erschließen … welche Stärken die einzelnen Krankenhäuser mit in einen Verbund einbringen würden und wie sich ihre Schwächen ausgleichen lassen“, bleibt jedoch ungewiss. „Die Kliniken in den Landkreisen Landsberg und Weilheim-Schongau sind kleiner als die in Fürstenfeldbruck … die Schwierigkeiten haben, kostendeckend zu arbeiten und auch ein breites medizinisches Angebot aufrecht zu erhalten. Aus einem Verbund der drei Krankenhäuser sollten aber alle Mitglieder einen Nutzen ziehen … hatte Karmasin ((Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Karmasin)) eine stärkere Zusammenarbeit als gangbaren Weg bezeichnet, um auf den in Folge des Krankenhausstrukturgesetzes steigenden Kostendruck und höhere Qualitätsanforderungen reagieren zu können … Pflegepersonal und Ärzte hingegen fürchten, dass sich hinter wohlklingenden Konzepten letztlich doch nur wieder eine ansteigende Belastung verbirgt – also mehr Arbeit, die auf weniger Schultern verteilt wird“ … So wurden beispielsweise in den Nachbarlandkreisen Starnberg und Dachau die früheren Kreiskliniken vor einigen Jahren privatisiert. Vor allem in Dachau rumort es aktuell ganz gewaltig: Pflegekräfte des gewinnorientierten und auch durchaus profitablen Helios-Amper-Klinikums hatten sich Ende November sogar in einer Urabstimmung für Streiks ausgesprochen, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Längst ist klar geworden, dass die Einflussmöglichkeiten eines Landkreises sehr beschränkt sind, wenn er eine solche Einrichtung aus der Hand gegeben hat … Dennoch: „Unter den Mitarbeitern herrscht offenbar Einigkeit, dass eine Kooperation besser ist als eine Privatisierung“ und „Die Klinikleitungen knüpfen daran die Hoffnung auf eine Bestandssicherung in öffentlicher Hand“. – Der Bericht in der Brucker SZ vom 17.12.17.
Kommentar: Heutzutage mus sich alles „rechnen“. Unternehmen müssen genug Gewinn abwerfen, um „überleben“ zu können, weil die „Konkurrenz“ nicht schläft und den „Kostendruck“ erhöht. In diesem Fall sind es die „Privaten“, die bereits privatisierten, also verkauften Kliniken, Krankenhäuser, Pflegeheime u. a. und die entsprechenden privat gegründeten Unternehmen, die den noch öffentlichen, mehr oder weniger unter öffentlicher Verwaltung stehenden, per Konkurrenzdruck, also Preisdumping zwingen, dasselbe zu tun, also für mehr „Effizienz“ beim Einfahren von Gewinnen zu sorgen, indem sie Löhne drücken, den Arbeitsdruck erhöhen, das Personal ausdünnen, Billigmaterial einkaufen, die Hygiene vernachlässigen usw. Für Privatisierungs- und Wettbewerbsbefürworter ist die angestrebte „Kooperationslösung“ vermutlich ein Kompromiss, der sich irgendwann totläuft. Ihr Interesse ist der Verkauf an „Investoren“, denen ein lukratives Geschäftsmodell winkt.
Zitate aus der Webseite „Fakten und Argumente: Krankenhaus statt Fabrik – bedarfsgerecht, gemeinwohlorientiert“„Bis 1985 war es per Gesetz verboten, in Krankenhäusern Gewinne zu machen. Seither sind die privaten Klinikketten (Fresenius-Helios, Rhön, Asklepios, Sana, Paracelsus, Mediclin, SRH) auf Einkaufstour. Die „Erfolge“ der Privaten beruhen im Wesentlichen auf Rosinenpickerei, Arbeitsüberlastung und Lohndumping. Es ist nachgewiesen, dass die Zahl der Patienten, die eine Pflegekraft versorgen muss, massiven Einfluss auf die Sterblichkeit im Krankenhaus hat. Ein Patient mehr pro Pflegekraft (von 6 auf 7 Patienten) erhöht die Rate der Todesfälle im KH und bis 30 Tage nach Entlassung um 7%. Dass der Gesundheitssektor in Deutschland ein bedeutender volkswirtschaftlicher Wachstumsbereich ist, in dem Milliarden umgesetzt werden, ist sowohl Arbeitgebern als auch potentiellen Investoren seit Ende der 1990er Jahre klar. Die Daseinsvorsorge ist ein lukratives Feld, wenn es gelingt, sie Markt- und Profitmechanismen zugänglich zu machen. Daran haben viele Bundesregierungen, aber auch die EU seit langem gearbeitet. Ein Verbot, in Krankenhäusern Gewinne zu machen, verbunden mit der Abschaffung der DRGs und der Wiedereinführung der kostendeckenden Finanzierung der Krankenhäuser, würde gleich mehrere Probleme beseitigen: die verheerenden Folgen der marktwirtschaftlichen Steuerung für Patienten und Beschäftigte und die Übernahmeversuche der Privaten. Ohne Gewinnaussichten würden diese das Interesse am Gesundheitswesen schnell wieder verlieren“.
Ein Buch zum Thema: „Mit Tempo in die Privatisierung“.