Muss ein Tier zu Tode gestreichelt werden?

„Es muss ein systemisches Wegsehen gewesen sein“, sagte Martin Runge (Grüne) mit dem Hinweis auf die mit Filmaufnahmen dokumentierte Tötung von unzureichend betäubten Tieren. Der Grüne bezweifelte auch, dass es, so wie vorgeschrieben, bei jedem Schlachttier Kontrollen gab. Diese Vorwürfe konterte Karmasin mit den Worten „ich bestreite, dass es ein System gab, das zu diesen Verstößen führte“. Es habe reichlich Kontrollen gegeben. Um zu ergänzen: „Wenn man der Ansicht ist, das Tier muss zu Tode gestreichelt werden, ist das Kilogramm Fleisch nicht für fünf oder sechs Euro zu haben.“ … Hubert Ficker (CSU) erinnerte daran, dass die Privatisierung der Fleischbeschau und Kontrolle nicht „aus Jux und Tollerei“, sondern begründet geschehen sei. Man habe damals verhindern wollen, dass Kunden wegen zu hoher Kosten abspringen. Laut Ficker war dies eine „wirtschaftliche Variante“, die zwei Jahrzehnte erfolgreich funktionierte. – Quelle: Brucker SZ vom 30.5.
Bericht im Tagblatt vom 1.6.17:
Keil entschuldigt sich persönlich „in aller Form für die Missstände, die unter meiner Verantwortung passiert sind“ … Er leide darunter, wenn er an die vielen Menschen und Institutionen denke, die zur Erfolgsgeschichte des Schlachthofs beigetragen hätten. Er wolle jetzt daran arbeiten, dass ein Neustart möglich wird. Für ihn persönlich komme eine „operative Beteiligung“ aber nicht mehr in Frage, so Keil … Durch die Verfehlung und deren Darstellung sei ein enormer Schaden entstanden …, der im Detail auf das „Fehlverhalten von unseren Beschäftigten, den Kontrolleuren, den Behörden und illegalen Überwachern“ nicht eingehen möchte, da dies Aufgabe der Justiz sei … Landrat Karmasin („Es gab Kontrolleure, die die Kontrolleure kontrollierten, die wiederum kontrolliert wurden“) bestritt systemische Fehler …
Kommentar: Die wörtlich ziitierte Aussage von Landrat Karmasin kann nur bedeuten, dass sämtliche Kontrolleure (sofern es sie gab) die tierquälerischen Geschehnisse absegneten, woraus sich ein „systemisches“ Handeln von oben nach unten ergibt. Laut Karmasin waren die Verstöße anscheinend zufällig erfolgte Unmutsäußerungen von denkenden, fühlenden, ethisch ausgebildeten und vor dem Gesetz verantwortlichen
Metzger-Meistern. Es geht ihm erkennbar um das Runterspielen der köchelnden Flamme des öffentlichen Unmuts. Und CSU-Freund Ficker beruhigt die Fleischkunden mit der Floskel, die Privatisierung der Fleischbeschau und Kontrolle habe das Fleisch billiger gemacht – was wir doch angeblich „alle“ wollen, womit die Schuldfrage am Ende da landet, wo sie folgenlos bleibt.