Erinnerungskultur muss gelernt und gelehrt werden

Ein Gastbeitrag von Margot Simoneit, Vorsitzende des Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Mitglied im Bündnis „Fürstenfeldbruck ist bunt – nicht braun!“  für die Brucker SZ vom 14. Februar 2017:
Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar mit Veranstaltungen auch in unserem Landkreis liegt nun schon gute zwei Wochen zurück, und trotzdem lohnt auch heute noch ein Rückblick auf dieses Datum. Auch die Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung hat diesem Thema in der Wochenendausgabe vom 28./29. Januar 2017 fast eine ganze Seite gewidmet. Das ist auch gut so! Ausführlich berichtet wurde dabei über eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Sozialforums Amper und des Kulturraums Rondo im Bürgerpavillon am 26. Januar, also am Vorabend des Gedenktags, und an die anschließende Gedenkveranstaltung am Mahnmal, beides in Fürstenfeldbruck.
Gerade der Vortrag von Peter Bierl und die anschließende Diskussion im Bürgerpavillon, haben deutlich gezeigt, dass und wo hier noch Informations- und Handlungsbedarf ist. Wer sich, wie viele Gäste der Veranstaltung, seit längerem auch im Zusammenhang mit dem Thema der Straßenumbenennung in Fürstenfeldbruck, intensiv mit der Materie beschäftigt hat, dem wurde durch den fundierten Vortrag wieder einmal aufs Neue bewusst, wie das Verdrängen, das Verschweigen, die Verharmlosung und das Vertuschen von schrecklichen Vorgängen während und nach der Nazidiktatur, auch hier bei uns vor der Haustür, Teil seiner/ihrer Biografie sind.
Die anschließende Diskussion bewies einerseits das große Interesse an den vorgetragenen Fakten, andererseits aber auch, dass nach wie vor die Aufklärungsarbeit weitergehen muss. Niemand von den Anwesenden plädierte offen für den „Schlussstrich“, aber wenn Langbehns Antisemitismus verharmlost wird und erzählt wird, dass der heutige Geschichtsunterricht eine Art Übersättigung in dieser Thematik erzeuge, heißt es, sehr wachsam zu sein.
Nach wie vor ist es gerade auch im Hinblick auf die aktuellen politischen Rechts-Tendenzen wichtig, an den Schulen alles zu tun, um hier intensiv aufzuklären und die Zeit zwischen 1933 und 1945 in Deutschland so zu behandeln, dass die Jugendlichen auch verstehen, wie es zu all diesen Entwicklungen mit ihren millionenfachen Verbrechen kommen konnte. Dazu können auch und gerade persönliche Begegnungen mit Zeitzeugen – wo das noch möglich ist -, aber auch Projekte zur Geschichte vor Ort beitragen. Diese ergänzen das Faktenwissen, das im Unterricht durch Bücher, Filme, Recherche und viele andere Möglichkeiten mehr vermittelt wird. So steht es in den Lehrplänen.
Nur so entwickeln die jungen Leute ein Verständnis für die aktuelle Politik und für den Wert unserer Demokratie. Und nur so können sie stark werden, um sich selbstbewusst gegen rechtsextreme, rassistische, antisemitische und andere menschenverachtende Tendenzen zu stellen.
Die Wissenslücken über diesen Abschnitt der Geschichte, die sich bei Schulabsolventen laut Umfragen gezeigt haben, und die auch Gäste der Diskussion im Bürgerpavillon teilweise beobachten konnten, zeigen das, was auch viele Lehrkräfte beklagen: durch Überfrachtung der Lehrpläne und Kürzung der Stundentafeln etwa im Zuge des G 8, bleibt oft nicht die Zeit, die diesem wichtigen Thema wirklich angemessen wäre. Der für alle SchülerInnen in Bayern verpflichtende Besuch einer KZ- Gedenkstätte allein kann hier nicht ausreichen.
Wie so oft hängt das Ergebnis auch bei diesem Thema davon ab, mit wie viel Engagement die Schulen über Verordnungen und Stoffpläne hinaus diesen Teil ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erfüllen. Viele positive Beispiele lassen sich auch bei uns vor Ort finden. Das lässt hoffen!