Kategorie: Krieg+Frieden

Kurden in Deutschland erwarten, dass Deutschland Haltung zeigt

Haydar Işik, kurdisch-deutscher Schriftsteller aus Maisach nimmt Stellung zur Kriegspolitik der Türkei und Deutschlands schweigende Unterstützung: „Wenn Erdoğan mit deutschen Waffen völkerrechtswidrig nach Afrin marschiert, kann Deutschland nicht sagen, es habe damit nichts zu tun … Wenn Erdoğan mit deutschen Panzern und Waffen in Afrin Zivilisten ermorden lässt und Dörfer und Städte dem Erdboden gleichmacht, wirft das bei vielen Kurden natürlich die Frage auf, warum Deutschland diesen Angriff nicht stoppt … Wenn Deutschland auf Wunsch der Türkei kurdische Organisationen verbietet und die Verwendung kurdischer Symbole unter Strafe stellt, macht es sich aus der Sicht vieler Kurden zum Helfer des faschistischen Erdoğan-Systems. Wir erwarten von Deutschland, das sich seiner Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten bewusst ist, dem türkischen Nationalismus nicht beizustehen …“
Haydar Işiks Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 16.3.18.

Zusammen gegen Rassismus – 100 % Menschenwürde: Auch in Bruck!

Die Stadt Fürstenfeldbruck beteiligt sich mit einer besonderen Veranstaltung an den Internationalen Wochen gegen Rassismus: ein Nachmittag im Lichtspielhaus unter dem diesjährigen Motto: Zusammen gegen Rassismus – 100 % Menschenwürde. Es soll Verständnis geweckt werden für die Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen und sich in einem fremden Land eine neue Existenz aufbauen müssen. Die dadurch entstehende kulturelle Vielfalt soll zunächst durch eine Bilderausstellung, die von Flüchtlingen der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber Dependance Fürstenfeldbruck gemalt wurde und durch eine literarische Darbietung des Vereins Turmgeflüster dargestellt werden. Außerdem wird der Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ gezeigt, der auf humorvolle Art die Arbeitsmigration in den 50er Jahren thematisiert. Als besonderer Programmpunkt ist der Besuch der Filmemacherin Susanne Kurz zu erwähnen. Sie wird ihren wunderbaren Kurzfilm „Die Herberge“ vorstellen und dem Publikum persönlich verraten, wie die Geschichte des Films zustande kam und was sie sonst rund um den Film erlebt hat.
Donnerstag, 22.3., Einlass: 16:30 Uhr, im Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck, Maisacher Str. 7, FFB
RahmenProgramm:
16:30 Uhr: Einlass mit kurzer Begrüßung
16:35 Uhr: Diashow einer Bilder-Ausstellung; Kurzfilm „Die Herberge“, dazu Gespräch mit der Filmemacherin Susanne Kurz
17:30 Uhr: Kurzlesung von Jugendlichen des Vereins Turmgeflüster, Bücherausstellung
18:00 Uhr: Filmvorstellung: Almanya
Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Stadt Fürstenfeldbruck, des Brucker Forums, des Caritas Zentrums Fürstenfeldbruck, des Bürgerpavillons, des Eine Welt Zentrums, des Sozialforums Amper, der Stadtbibliothek Aumühle & des Vereins Turmgeflüster, der IG Lichtspielhaus und des Bündnisses Fürstenfeldbruck ist bunt – nicht braun.
Um Anmeldung wird wegen der begrenzten Platzzahl gebeten unter: www.kino-ffb.de oder doreen.hoeltl@fuerstenfeldbruck.de.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Eintritt frei.

8. März Weltfrauentag: Aktion vor dem Lichtspielhaus

Pressemitteilung zum Internationalen Frauentag am 8.März 2018: Sozialforum Amper, GEW/Kreisverband Fürstenfeldbruck, Das Bündnis Fürstenfeldbruck ist bunt – nicht braun! und die Initiative für den Bau einer Mädchenberufsschule in Kobanê werden heute vor dem Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck an die Bedeutung dieses Tages erinnern. Dort wird heute ab 19:00 Uhr der Film „Zur Hölle mit dem Teufel“ gezeigt. Die beteiligten Organisationen werden den Kinobesucherinnen und -besuchern und allen Interessierten vor dem Lichtspielhaus den Aufruf Frauenkampagne für Frieden in Afrin/Nordsyrien vorstellen, Flugblätter dazu verteilen und Unterschriften sammeln. Wir schließen uns damit der berechtigten Kritik an, dass unsere Bundesregierung tatenlos zusieht, wie türkisches Militär diese Region und auch ihre Zivilbevölkerung völkerrechtswidrig angreift. Die heute und im auch die im Internet gesammelten Unterschriften werden an die Initiatorinnen der Kampagne und von dort an die angesprochenen Politikerinnen und Politiker weitergeleitet.
In diesem Zusammenhang machen wir auf unser Mädchenberufsschulprojekt für Kobanê aufmerksam. Seit 2015 der sog. IS aus Kobanê zurückgedrängt worden ist, befindet sich die Stadt erfolgreich im Wiederaufbau. Den wollen wir weiter mit unserem Schulprojekt, für das momentan bereits an die 100.000 € gesammelt wurden, unterstützen. Kobanê liegt in derselben Region wie Afrin und ist von den Angriffen momentan nicht direkt betroffen. Trotzdem: Wir fordern dauerhaften Frieden für Afrin und die gesamte Region. Die Menschen dort haben ein basisdemokratisches System mit Gleichberechtigung für alle Religionen, Sprachen und Kulturen aufgebaut, das besonders auch die aktive, gleichberechtigte Beteiligung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen beinhaltet. Das kann auch uns als Vorbild dienen und verdient unsere volle Unterstützung.
Organisatorinnen: Monika Markus-Glemnitz, Margot Simoneit

Gulaschsuppe mit Sekt – Stadtrat Bahners „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“

Die Brucker SZ berichtete am 1.2.18 vom Neujahrsempfang der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst: Weil die Luftwaffe bei einem Gläschen Sekt mit dem ganzen Spektrum der Zivilgesellschaft ins Gespräch kommen will, dürfen auch Christian Franke, der Kreischef des Lehrerverbands, und dessen Ehrenvorsitzende Inge Heining nicht fehlen … haben sich im Schein der drei Kronleuchter abermals Landtagsabgeordnete, Bürgermeister sowie Bezirks-, Kreis- und Stadträte ebenso eingefunden wie hochrangige Vertreter von Polizei, Banken und Kirche. … Herwig Bahner (FDP) leitet das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr am Standort Bruck, das wohl als letzte Einrichtung dicht gemacht wird. Bahner … müsse nicht nur „das Licht ausmachen“, sondern – dann wohl schon von Dunkelheit umfangen – anschließend „den Schlüssel umdrehen“.
Kommentar: Wozu das Spektakel gut war, blieb von den Kronleuchtern unbeleuchtet. Denn von einem „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“ konnte nicht die Rede sein, abgesehen vom Small Talk altbekannter Prominenz-Gesichter der Stadt (darunter Landrat Thomas Karmasin, Sparkassenchef Klaus Knörr, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler und Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf) mit den Repräsentanten der Standort-Bundeswehr am Buffet. Nur einer, so ist zu vermuten, hat die Gunst der Stunde genutzt. FDP-Stadtrat Herwig Bahner, der das Dienstleistungszentrum Fliegerhorst leitet, hat dem Brigadegeneral vermutlich seine Kanzlerinnen-Abneigung vorgetragen, weil sie die „Bundesliegenschaften kostenlos für sogenannte Asylbewerber zur Verfügung stellt“, und dem Landrat Karmasin seine Abneigung gegenüber „dem Landkreis, der sich auf dem Rücken der Menschen in Bruck als Musteraufnahme-Landkreis einen schlanken Fuß macht“. Und den anwesenden Stadträten wird er vermutlich ins Gesicht gesagt haben, was er von ihnen hält, weil sie „die das sprichwörtlich kleinere Übel bewusst ablehnen und das Risiko einer noch viel höheren und unbefristeten Belastung bewusst eingehen“, denn „die jetzige Entscheidung bedeutet … alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Welt, auf nach Deutschland (aber nicht nach Bruck). Geht’s noch heuchlerischer?“ So schrieb der Mann in seinem Leserbrief an das Brucker Tagblatt (24.1.18). Herr Bahner outet sich als AfD-Propagandist. Sein Geist, so scheint es, ist bereits „von Dunkelheit umfangen“.

85. Geburtstag von Guido Zingerl

Der Brucker Maler, Zeichner, Karikaturist und  Kunstpreisträger des Landkreises, Guido Zingerl, wurde 85 Jahre alt. Das Brucker Tagtblatt schrieb am 30.1.18:Der Wahnsinn der Welt auf Leinwand … Seine Karikaturen sind legendär, von vielen auch gefürchtet. Kommunalpolitiker brachte er früher mit seiner kompromisslosen Kunst regelmäßig zur Weißglut, die Kirche sowieso. Vor einigen Tagen hat Guido Zingerl seinen 85. Geburtstag gefeiert – und ist weit entfernt vom Ruhestand.
Das Herausgeberkreis von „FFBaktiv“ gratuliert dem engagierten Maler und Menschen!
Mehr über ihn auf Wikipedia.

Der Maler Guido Zingerl in seinem Atelier vor dem Bild „Alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff“ – Quelle.

Öffentlicher Appell an OB Erich Raff: Jetzt Druck machen in den Koalitionsverhandlungen

Inge Ammon, Asylhelferin und friedensbewegte Brucker Bürgerin, schrieb einen dringenden Appell an Oberbrügermeister Erich Raff, Mitglied in der weltweiten Institution namens „Mayor for Peace“:
Fürstenfeldbruck, 30.1.2018
Lieber Herr Raff,
den Appell an die künftige Bundesregierung, das UN-Atomwaffenverbots-Abkommen zu unterzeichnen, schicke ich auch an Sie, als Oberbürgermeister einer Stadt, die zu Mayers-for -Peace gehört. Wenn Deutschland als wichtiger NATO-Staat dem Verbot beitritt, kann das der Durchbruch sein und weitere Länder werden folgen. Wenn Deutschland jedoch weiter blockiert, stützt das die Eskalationspolitik von Donald Trump und Kim Jong-Un. Die BRD sollte sich von der Atomwaffenpolitik der USA emanzipieren und das Völkerrecht stärken. Der Nobelpreis an ICAN ist eine historische Chance.

Mein Wunsch und meine dringende Bitte, dass der Stadtrat von Fürstenfeldbruck sich im Sinne des Appells an die Bundesregierung wendet. Die Zeit ist reif. Bürgermeister Walter in Gilching denkt (so weit ich informiert bin) auf ähnliche Weise, sich einzumischen.
Mit guten Gedanken für Sie in Ihrer Position,
grüßt Inge Ammon
Im Anhang: Appell an die Koalitionsverhandler in Berlin im Namen von ICAN Deutschland, IPPNW Deutschland und der Kampagne „Büchel ist überall! Atomwaffenfrei.jetzt!“. (Hier zu lesen.)
Mehr erfahren über Inge Ammon:
Ein 14-Minuten-Video erzählt ihre Geschichte: „Widerstand lohnt sich„.

„Gewagte“ und ver-rückte Meldungen

Brucker SZ vom 22.1.18: Der Festredner des Neujahrsempfangs der Puchheimer CSU wartet mit gewagten Thesen auf. So hält der Politologe Edgar Ludwig Gärtner das Problem der Radioaktivität für „völlig überbewertet“ … das Strahlungsniveau, das momentan um das explodierte Atomkraftwerk (AKW) in Fukushima herrsche, „optimal“ für die Menschen … Leute, die in Kernkraftwerken arbeiten, werden sehr alt und bekommen keinen Krebs … Menschen in Hiroshima, die eine mäßige Strahlung abbekommen haben, sind ebenfalls viel älter geworden als die Normalbevölkerung … Man hätte anfangen sollen mit kleinen Reaktoren, die sich die Menschen in den Vorgarten hätten stellen können  … Glyphosat ist das ideale Herbizid und ein harmloser Stoff“ … CSU-Ortsvorsitzender und Gastgeber Markus Hammer findet die Gedanken des Festredners durchaus schlüssig.Interview mit dem CSU-Vorsitzenden Puchheim.

Brucker SZ vom 23.1.18: Fünf Jahre Streit um belastete Straßennamen. In Bruck werden Hunderte Alternativvorschläge eingereicht, doch viele Anwohner lehnen Umbenennungen weiterhin ab. Einigkeit besteht darin, nun endlich das kontroverse Thema abzuschließen … Der Kultur- und Werkausschuss sowie ein Arbeitskreis Straßennamen schieben sich das heikle Thema seit Jahren gegenseitig zu. Im Verlauf dieser Prozedur hat die Mehrheit der Stadträte von siebzehn Namensgebern bereits neun rehabilitiert, darunter den Wehrwirtschaftsführer Willy Messerschmitt, der den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen forderte. Umbenannt werden sollen nur noch sechs Straßen, die Langbehn-Straße in Puch, gewidmet einem fanatischen antisemitischen Schriftsteller, sowie die Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller- und Zenettistraße in der Flughafensiedlung, die nach Offizieren und Piloten der Wehrmacht benannt sind. Strittig sind Reichspräsident Paul Hindenburg und der Weltraumpionier Wernher von Braun, weil eine Umbenennung im Arbeitskreis jeweils an einem Patt scheiterte.

Angriff auf die Sowjetunion kein Verbrechen mehr? In Russland wird dieser Tage des 75. Jahrestages des Sieges über die Hitler-Wehrmacht in Stalingrad gedacht. Was macht Deutschland? In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung, dass man den Krieg gegen die Sowjetunion nicht insgesamt als verbrecherisch bezeichnen könne. Man müsse „Einzelfälle“ prüfen.

Eine deutsche Weihnachts- und Silvestergeschichte 2017/2018

Sind wir zur Dummheit verurteilt? Siegt die Unvernunft? – Am 29.12.17 berichtete die Brucker SZ über ein „Flüchtlingsschicksal“. Es handelt von Hamza Rian aus Pakistan. „Ich würde gerne einen Beruf lernen, um etwas für die Zukunft zu haben, erzählt Rian …“. Der Junge aus Pakistan will in Deutschland heimisch werden. Als Geflohener vor den Taliban müsste ihm Asyl gewährt werden. Doch „seine Geschichte überzeugte den Sachbearbeiter beim BAMF … nicht. Sein Asylantrag wurde im Januar 2017 ablehnt“. Schon 2016 stellten „Mitschüler eine Petition gegen seine Abschiebung ins Internet und sammelten damals über 7.000 Unterschriften“ für sein Bleiben. Über ihn heißt es: „Er ist besonders in Mathe sehr begabt“ und „Hamza ist gut integriert und wäre sicherlich ein guter Koch geworden“. Darf er aber nicht. Der Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Brucker Ausländerbehörde sagt: „Die Anerkennungsquote beträgt für Pakistani vier Prozent …“. Ähnlich sei die Quote für Afrikaner aus Nigeria. Für Flüchtlinge aus Afghanistan betrage sie 40 Prozent, für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak liege sie noch darüber. „Wenn ein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, bekommt in der Regel niemand eine Arbeitserlaubnis.“ Es komme da folgender Rechtsgrundsatz zum Tragen: „Ein unsicherer Aufenthaltsstatus darf nicht verfestigt werden.“
Ein deutsches Gesetz schreibt also vor, ihm das Recht auf Arbeit zu nehmen. Statt dessen wird er in die Containeranlage Am Hardtanger in Fürstenfeldbruck gesteckt, wo er nichts tun darf als Warten auf einen Gerichtstermin. Er ist „zum Nichtstun verurteilt“. Sein Leben erscheint ihm hier sinnlos geworden. Wird er abgeschoben, ergeht ein „Schubauftrag“ an die Landespolizei. Die „schiebt“ ihn dann in ein Flugzeug, das ihn nach Pakistan bringt. Wenn er Pech hat, zurück in die Fänge der Taliban.
Man sieht, in Deutschland läuft alles geregelt ab, Sicherheit und Ordnung sind gewährleistet. Selbstverständlich auf Kosten individueller Menschlichkeit. Der dumme Volksmund sagt: Sonst könnte ja jeder zu uns kommen und sie für sich beanspruchen wollen! Unser Recht auf ein menschliches Zusammenleben teilen wir gerne miteinander. Aber nicht mit solchen, die nicht „unsereins“ sind, nicht mit „Fremden“.
Wir sind zwar alle das Ergebnis von Völkerwanderungen und Vermischungen, und Aufgeklärte wissen, dass genetische Mischung überlebenswichtig ist für Völker, also für Menschengemeinschaften. Dumme Menschen aber glauben, Ab- und Ausgrenzung, Grenzabschottung, Mauern und Schießbefehle helfen, eine nicht vorhandene Reinheit der Abstammung zu erhalten. Sie glauben sogar, es gäbe eine „heimatliche Identität“, die vor „Umvolkung“ geschützt werden müsse. Ihre Thesen, die Gift für das Gemeinwohl der Gesellschaft sind, lauten unter anderem: „Migration führt zu Destabilisierung“; „Nicht-Deutsche“ würden … „Gewalt und Terror verüben und das Wohlfahrtssystem ausnutzen“; „Angriff auf deutsche Identität/Kultur“, obwohl es DIE deutsche Kultur gar nicht gibt; „Der politische Gegner ist schlecht“; „Volksverräter“; „Politiker, die nicht die Interessen der Bevölkerung vertreten“; „Fremdherrschaft“; EU als „Diktatur“; „Lügenpresse“; „Nazikeule“; „Der Untergang ist da“. Die Aufzählung von Terrorakten und die Verwendung von Begriffen wie „Asylflut, Flüchtlingswelle und Masseneinwanderung“ setzen ankommende Geflüchtete mit (Natur-)Katastrophen gleich. Und stets wird „Sicherheit“ als Argument vorgeschoben, wo es in Wahrheit um eine Wagenburgmentalität geht, die Horst Seehofer einmal mit „unserem“ Christlichsein verglich, welches sich so schon an den Grenzen zeige. Damit füllte er die „Lücke der CSU nach rechts“. Inzwischen hat die CSU  einen verschärften Kurs gefordert, im Zentrum steht die Kürzung der Sozialleistungen für Asylbewerber.
Der Politikwissenschaftler Reinhard Wolf, Professor für Politikwissenschaft in Frankfurt/Main warnt,  es sei durchaus zu befürchten, dass die gegenwärtig zu beobachtende „politische Emotionalisierung und ideologische Polarisierung weiter voranschreiten werden“, womit die „demokratische Diskussionskultur in Gefahr“ gerate. Francisco de Goya schuf um 1800 in seinen „Caprichos“ den unvergesslichen Satz: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.
Ein Monitoring-Bericht der Amadeu Antonio Stiftung analysiert diese negativen Zeiterscheinungen und erklärt, wie ein Dagegenhalten sinnvoll wird: „Wir müssen lernen, nicht nur zu zeigen und zu beschreiben, wie Demokratie und Pluralismus funktionieren, sondern zu erzählen, wie sie erlebt werden, welche Wirkungen sie auf die Beteiligten haben, welche Energien sie freisetzen, welche Lösungen sie ermöglichen, wo sie beginnen und wo sie in unserer Gesellschaft bereits zu finden sind.“ – hb
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wendet. Die Stiftung ist nach Amadeu Antonio benannt, der 1990 von rechtsextremen Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt wurde, weil er schwarz war. Er war eines der ersten von heute fast 200 Todesopfern rechtsextremer Gewalt seit dem Fall der Mauer. Der Bericht.

Vorsicht bissige Satire
– aber ist sie so abwegig?
Aktueller „Bescheid zur Willkommenskultur“
an Herrn H. R. aus Pakistan, derzeit im Wartestand im Container am harten Anger in Fürstenfeldbruck.

Die Friedensbewegung wird aktiv

Abrüsten statt Aufrüsten – In einem deutlichen und dringenden Abrüstungsaufruf wendet sich ein ungewöhnlich breites gesellschaftliches Bündnis an Öffentlichkeit. Dazu zählen der Nobelpreisträger Paul Crutzen, die Gewerkschaftsvorsitzenden Reiner Hoffmann (DGB), Frank Bsirske (ver.di), Michaela Rosenberger (NGG) und Marlis Tepe (GEW), die Theologin Margot Käßmann, führende Vertreter der Umweltbewegung wie der DNR Vorsitzende Kai Niebert und der BUND Vorsitzende Hubert Weiger, WissenschaftlerInnen wie Gesine Schwan, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Frigga Haug und Ulrich Brand, PolitikerInnen aus drei Parteien wie die Abgeordneten des deutschen Bundestages Ernst Röspel (SPD), Katja Kipping (DIE LINKE.) und Katja Keul (Bündnis90/die Grünen), Kulturschaffende wie Wolfgang Niedecken, Udo Lindenberg und Renan Demirkan sowie AktivistInnen der Friedensbewegung. Sie fordern in Sorge um die zukünftige Entwicklung unseres Landes von der (neuen) Bundesregierung: „Keine Erhöhung der Rüstungsausgaben – Abrüsten ist das Gebot der Stunde“ Mit dem Aufruf warnen die UnterzeichnerInnen vor weiterer Aufrüstung und fordern, endlich abzurüsten – nur damit könnten die großen Herausforderungen gelöst werden. In dem Aufruf heißt es: „Die Bundesregierung plant, die Rüstungsausgaben nahezu zu verdoppeln, auf zwei Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP). So wurde es in der NATO vereinbart. Zwei Prozent, das sind mindestens weitere 30 Milliarden Euro, die im zivilen Bereich fehlen, so bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr, kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung, ökologischem Umbau, Klimagerechtigkeit und internationaler Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die mehr als 80 ErstunterzeichnerInnen warnen eindringlich: „Militär löst keine Probleme. Schluss damit. Eine andere Politik muss her. Damit wollen wir anfangen: Militärische Aufrüstung stoppen, Spannungen abbauen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen, Perspektiven für Entwicklung und soziale Sicherheit schaffen, Entspannungspolitik auch mit Russland, verhandeln und abrüsten. Diese Einsichten werden wir überall in unserer Gesellschaft verbreiten. Damit wollen wir helfen, einen neuen Kalten Krieg abzuwenden.“ Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Aufrufes rufen zu einer bundesweiten Unterschriftenaktion (online und offline) auf, die sie mit weiteren Aktivitäten begleiten wollen.
Den Aufruf zum Unterschreiben und zusätzliche Informationen finden Sie auf der Webseite www.abruesten.jetzt.
– Die Gefahr aus dem Osten als Vorwand für Rüstung: Kommentar von U. Gellermann.
Ein 4-Min.-Video, gemacht für die Berliner Politiker.

Auch im Landkreis FFB wird die Friedensbewegung wieder aktiv: Das Sozialforum Amper, die Antikriegsinitiative FFB und wir vom Herausgeberkreis FFBaktiv rufen dazu auf, sich gegen Rüstung und Kriegsgeschrei zusammenzufinden. 2018 werden wir gemeinsam gegen Kriegspolitik demonstrieren.