Kategorie: Krieg+Frieden

Gulaschsuppe mit Sekt – Stadtrat Bahners „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“

Die Brucker SZ berichtete am 1.2.18 vom Neujahrsempfang der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst: Weil die Luftwaffe bei einem Gläschen Sekt mit dem ganzen Spektrum der Zivilgesellschaft ins Gespräch kommen will, dürfen auch Christian Franke, der Kreischef des Lehrerverbands, und dessen Ehrenvorsitzende Inge Heining nicht fehlen … haben sich im Schein der drei Kronleuchter abermals Landtagsabgeordnete, Bürgermeister sowie Bezirks-, Kreis- und Stadträte ebenso eingefunden wie hochrangige Vertreter von Polizei, Banken und Kirche. … Herwig Bahner (FDP) leitet das Dienstleistungszentrum der Bundeswehr am Standort Bruck, das wohl als letzte Einrichtung dicht gemacht wird. Bahner … müsse nicht nur „das Licht ausmachen“, sondern – dann wohl schon von Dunkelheit umfangen – anschließend „den Schlüssel umdrehen“.
Kommentar: Wozu das Spektakel gut war, blieb von den Kronleuchtern unbeleuchtet. Denn von einem „Gespräch mit der Zivilgesellschaft“ konnte nicht die Rede sein, abgesehen vom Small Talk altbekannter Prominenz-Gesichter der Stadt (darunter Landrat Thomas Karmasin, Sparkassenchef Klaus Knörr, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler und Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf) mit den Repräsentanten der Standort-Bundeswehr am Buffet. Nur einer, so ist zu vermuten, hat die Gunst der Stunde genutzt. FDP-Stadtrat Herwig Bahner, der das Dienstleistungszentrum Fliegerhorst leitet, hat dem Brigadegeneral vermutlich seine Kanzlerinnen-Abneigung vorgetragen, weil sie die „Bundesliegenschaften kostenlos für sogenannte Asylbewerber zur Verfügung stellt“, und dem Landrat Karmasin seine Abneigung gegenüber „dem Landkreis, der sich auf dem Rücken der Menschen in Bruck als Musteraufnahme-Landkreis einen schlanken Fuß macht“. Und den anwesenden Stadträten wird er vermutlich ins Gesicht gesagt haben, was er von ihnen hält, weil sie „die das sprichwörtlich kleinere Übel bewusst ablehnen und das Risiko einer noch viel höheren und unbefristeten Belastung bewusst eingehen“, denn „die jetzige Entscheidung bedeutet … alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Welt, auf nach Deutschland (aber nicht nach Bruck). Geht’s noch heuchlerischer?“ So schrieb der Mann in seinem Leserbrief an das Brucker Tagblatt (24.1.18). Herr Bahner outet sich als AfD-Propagandist. Sein Geist, so scheint es, ist bereits „von Dunkelheit umfangen“.

85. Geburtstag von Guido Zingerl

Der Brucker Maler, Zeichner, Karikaturist und  Kunstpreisträger des Landkreises, Guido Zingerl, wurde 85 Jahre alt. Das Brucker Tagtblatt schrieb am 30.1.18:Der Wahnsinn der Welt auf Leinwand … Seine Karikaturen sind legendär, von vielen auch gefürchtet. Kommunalpolitiker brachte er früher mit seiner kompromisslosen Kunst regelmäßig zur Weißglut, die Kirche sowieso. Vor einigen Tagen hat Guido Zingerl seinen 85. Geburtstag gefeiert – und ist weit entfernt vom Ruhestand.
Das Herausgeberkreis von „FFBaktiv“ gratuliert dem engagierten Maler und Menschen!
Mehr über ihn auf Wikipedia.

Der Maler Guido Zingerl in seinem Atelier vor dem Bild „Alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff“ – Quelle.

Öffentlicher Appell an OB Erich Raff: Jetzt Druck machen in den Koalitionsverhandlungen

Inge Ammon, Asylhelferin und friedensbewegte Brucker Bürgerin, schrieb einen dringenden Appell an Oberbrügermeister Erich Raff, Mitglied in der weltweiten Institution namens „Mayor for Peace“:
Fürstenfeldbruck, 30.1.2018
Lieber Herr Raff,
den Appell an die künftige Bundesregierung, das UN-Atomwaffenverbots-Abkommen zu unterzeichnen, schicke ich auch an Sie, als Oberbürgermeister einer Stadt, die zu Mayers-for -Peace gehört. Wenn Deutschland als wichtiger NATO-Staat dem Verbot beitritt, kann das der Durchbruch sein und weitere Länder werden folgen. Wenn Deutschland jedoch weiter blockiert, stützt das die Eskalationspolitik von Donald Trump und Kim Jong-Un. Die BRD sollte sich von der Atomwaffenpolitik der USA emanzipieren und das Völkerrecht stärken. Der Nobelpreis an ICAN ist eine historische Chance.

Mein Wunsch und meine dringende Bitte, dass der Stadtrat von Fürstenfeldbruck sich im Sinne des Appells an die Bundesregierung wendet. Die Zeit ist reif. Bürgermeister Walter in Gilching denkt (so weit ich informiert bin) auf ähnliche Weise, sich einzumischen.
Mit guten Gedanken für Sie in Ihrer Position,
grüßt Inge Ammon
Im Anhang: Appell an die Koalitionsverhandler in Berlin im Namen von ICAN Deutschland, IPPNW Deutschland und der Kampagne „Büchel ist überall! Atomwaffenfrei.jetzt!“. (Hier zu lesen.)
Mehr erfahren über Inge Ammon:
Ein 14-Minuten-Video erzählt ihre Geschichte: „Widerstand lohnt sich„.

„Gewagte“ und ver-rückte Meldungen

Brucker SZ vom 22.1.18: Der Festredner des Neujahrsempfangs der Puchheimer CSU wartet mit gewagten Thesen auf. So hält der Politologe Edgar Ludwig Gärtner das Problem der Radioaktivität für „völlig überbewertet“ … das Strahlungsniveau, das momentan um das explodierte Atomkraftwerk (AKW) in Fukushima herrsche, „optimal“ für die Menschen … Leute, die in Kernkraftwerken arbeiten, werden sehr alt und bekommen keinen Krebs … Menschen in Hiroshima, die eine mäßige Strahlung abbekommen haben, sind ebenfalls viel älter geworden als die Normalbevölkerung … Man hätte anfangen sollen mit kleinen Reaktoren, die sich die Menschen in den Vorgarten hätten stellen können  … Glyphosat ist das ideale Herbizid und ein harmloser Stoff“ … CSU-Ortsvorsitzender und Gastgeber Markus Hammer findet die Gedanken des Festredners durchaus schlüssig.Interview mit dem CSU-Vorsitzenden Puchheim.

Brucker SZ vom 23.1.18: Fünf Jahre Streit um belastete Straßennamen. In Bruck werden Hunderte Alternativvorschläge eingereicht, doch viele Anwohner lehnen Umbenennungen weiterhin ab. Einigkeit besteht darin, nun endlich das kontroverse Thema abzuschließen … Der Kultur- und Werkausschuss sowie ein Arbeitskreis Straßennamen schieben sich das heikle Thema seit Jahren gegenseitig zu. Im Verlauf dieser Prozedur hat die Mehrheit der Stadträte von siebzehn Namensgebern bereits neun rehabilitiert, darunter den Wehrwirtschaftsführer Willy Messerschmitt, der den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen forderte. Umbenannt werden sollen nur noch sechs Straßen, die Langbehn-Straße in Puch, gewidmet einem fanatischen antisemitischen Schriftsteller, sowie die Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller- und Zenettistraße in der Flughafensiedlung, die nach Offizieren und Piloten der Wehrmacht benannt sind. Strittig sind Reichspräsident Paul Hindenburg und der Weltraumpionier Wernher von Braun, weil eine Umbenennung im Arbeitskreis jeweils an einem Patt scheiterte.

Angriff auf die Sowjetunion kein Verbrechen mehr? In Russland wird dieser Tage des 75. Jahrestages des Sieges über die Hitler-Wehrmacht in Stalingrad gedacht. Was macht Deutschland? In ihrer Antwort erklärt die Bundesregierung, dass man den Krieg gegen die Sowjetunion nicht insgesamt als verbrecherisch bezeichnen könne. Man müsse „Einzelfälle“ prüfen.

Eine deutsche Weihnachts- und Silvestergeschichte 2017/2018

Sind wir zur Dummheit verurteilt? Siegt die Unvernunft? – Am 29.12.17 berichtete die Brucker SZ über ein „Flüchtlingsschicksal“. Es handelt von Hamza Rian aus Pakistan. „Ich würde gerne einen Beruf lernen, um etwas für die Zukunft zu haben, erzählt Rian …“. Der Junge aus Pakistan will in Deutschland heimisch werden. Als Geflohener vor den Taliban müsste ihm Asyl gewährt werden. Doch „seine Geschichte überzeugte den Sachbearbeiter beim BAMF … nicht. Sein Asylantrag wurde im Januar 2017 ablehnt“. Schon 2016 stellten „Mitschüler eine Petition gegen seine Abschiebung ins Internet und sammelten damals über 7.000 Unterschriften“ für sein Bleiben. Über ihn heißt es: „Er ist besonders in Mathe sehr begabt“ und „Hamza ist gut integriert und wäre sicherlich ein guter Koch geworden“. Darf er aber nicht. Der Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Brucker Ausländerbehörde sagt: „Die Anerkennungsquote beträgt für Pakistani vier Prozent …“. Ähnlich sei die Quote für Afrikaner aus Nigeria. Für Flüchtlinge aus Afghanistan betrage sie 40 Prozent, für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak liege sie noch darüber. „Wenn ein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, bekommt in der Regel niemand eine Arbeitserlaubnis.“ Es komme da folgender Rechtsgrundsatz zum Tragen: „Ein unsicherer Aufenthaltsstatus darf nicht verfestigt werden.“
Ein deutsches Gesetz schreibt also vor, ihm das Recht auf Arbeit zu nehmen. Statt dessen wird er in die Containeranlage Am Hardtanger in Fürstenfeldbruck gesteckt, wo er nichts tun darf als Warten auf einen Gerichtstermin. Er ist „zum Nichtstun verurteilt“. Sein Leben erscheint ihm hier sinnlos geworden. Wird er abgeschoben, ergeht ein „Schubauftrag“ an die Landespolizei. Die „schiebt“ ihn dann in ein Flugzeug, das ihn nach Pakistan bringt. Wenn er Pech hat, zurück in die Fänge der Taliban.
Man sieht, in Deutschland läuft alles geregelt ab, Sicherheit und Ordnung sind gewährleistet. Selbstverständlich auf Kosten individueller Menschlichkeit. Der dumme Volksmund sagt: Sonst könnte ja jeder zu uns kommen und sie für sich beanspruchen wollen! Unser Recht auf ein menschliches Zusammenleben teilen wir gerne miteinander. Aber nicht mit solchen, die nicht „unsereins“ sind, nicht mit „Fremden“.
Wir sind zwar alle das Ergebnis von Völkerwanderungen und Vermischungen, und Aufgeklärte wissen, dass genetische Mischung überlebenswichtig ist für Völker, also für Menschengemeinschaften. Dumme Menschen aber glauben, Ab- und Ausgrenzung, Grenzabschottung, Mauern und Schießbefehle helfen, eine nicht vorhandene Reinheit der Abstammung zu erhalten. Sie glauben sogar, es gäbe eine „heimatliche Identität“, die vor „Umvolkung“ geschützt werden müsse. Ihre Thesen, die Gift für das Gemeinwohl der Gesellschaft sind, lauten unter anderem: „Migration führt zu Destabilisierung“; „Nicht-Deutsche“ würden … „Gewalt und Terror verüben und das Wohlfahrtssystem ausnutzen“; „Angriff auf deutsche Identität/Kultur“, obwohl es DIE deutsche Kultur gar nicht gibt; „Der politische Gegner ist schlecht“; „Volksverräter“; „Politiker, die nicht die Interessen der Bevölkerung vertreten“; „Fremdherrschaft“; EU als „Diktatur“; „Lügenpresse“; „Nazikeule“; „Der Untergang ist da“. Die Aufzählung von Terrorakten und die Verwendung von Begriffen wie „Asylflut, Flüchtlingswelle und Masseneinwanderung“ setzen ankommende Geflüchtete mit (Natur-)Katastrophen gleich. Und stets wird „Sicherheit“ als Argument vorgeschoben, wo es in Wahrheit um eine Wagenburgmentalität geht, die Horst Seehofer einmal mit „unserem“ Christlichsein verglich, welches sich so schon an den Grenzen zeige. Damit füllte er die „Lücke der CSU nach rechts“. Inzwischen hat die CSU  einen verschärften Kurs gefordert, im Zentrum steht die Kürzung der Sozialleistungen für Asylbewerber.
Der Politikwissenschaftler Reinhard Wolf, Professor für Politikwissenschaft in Frankfurt/Main warnt,  es sei durchaus zu befürchten, dass die gegenwärtig zu beobachtende „politische Emotionalisierung und ideologische Polarisierung weiter voranschreiten werden“, womit die „demokratische Diskussionskultur in Gefahr“ gerate. Francisco de Goya schuf um 1800 in seinen „Caprichos“ den unvergesslichen Satz: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.
Ein Monitoring-Bericht der Amadeu Antonio Stiftung analysiert diese negativen Zeiterscheinungen und erklärt, wie ein Dagegenhalten sinnvoll wird: „Wir müssen lernen, nicht nur zu zeigen und zu beschreiben, wie Demokratie und Pluralismus funktionieren, sondern zu erzählen, wie sie erlebt werden, welche Wirkungen sie auf die Beteiligten haben, welche Energien sie freisetzen, welche Lösungen sie ermöglichen, wo sie beginnen und wo sie in unserer Gesellschaft bereits zu finden sind.“ – hb
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wendet. Die Stiftung ist nach Amadeu Antonio benannt, der 1990 von rechtsextremen Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt wurde, weil er schwarz war. Er war eines der ersten von heute fast 200 Todesopfern rechtsextremer Gewalt seit dem Fall der Mauer. Der Bericht.

Vorsicht bissige Satire
– aber ist sie so abwegig?
Aktueller „Bescheid zur Willkommenskultur“
an Herrn H. R. aus Pakistan, derzeit im Wartestand im Container am harten Anger in Fürstenfeldbruck.

Die Friedensbewegung wird aktiv

Abrüsten statt Aufrüsten – In einem deutlichen und dringenden Abrüstungsaufruf wendet sich ein ungewöhnlich breites gesellschaftliches Bündnis an Öffentlichkeit. Dazu zählen der Nobelpreisträger Paul Crutzen, die Gewerkschaftsvorsitzenden Reiner Hoffmann (DGB), Frank Bsirske (ver.di), Michaela Rosenberger (NGG) und Marlis Tepe (GEW), die Theologin Margot Käßmann, führende Vertreter der Umweltbewegung wie der DNR Vorsitzende Kai Niebert und der BUND Vorsitzende Hubert Weiger, WissenschaftlerInnen wie Gesine Schwan, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Frigga Haug und Ulrich Brand, PolitikerInnen aus drei Parteien wie die Abgeordneten des deutschen Bundestages Ernst Röspel (SPD), Katja Kipping (DIE LINKE.) und Katja Keul (Bündnis90/die Grünen), Kulturschaffende wie Wolfgang Niedecken, Udo Lindenberg und Renan Demirkan sowie AktivistInnen der Friedensbewegung. Sie fordern in Sorge um die zukünftige Entwicklung unseres Landes von der (neuen) Bundesregierung: „Keine Erhöhung der Rüstungsausgaben – Abrüsten ist das Gebot der Stunde“ Mit dem Aufruf warnen die UnterzeichnerInnen vor weiterer Aufrüstung und fordern, endlich abzurüsten – nur damit könnten die großen Herausforderungen gelöst werden. In dem Aufruf heißt es: „Die Bundesregierung plant, die Rüstungsausgaben nahezu zu verdoppeln, auf zwei Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP). So wurde es in der NATO vereinbart. Zwei Prozent, das sind mindestens weitere 30 Milliarden Euro, die im zivilen Bereich fehlen, so bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr, kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung, ökologischem Umbau, Klimagerechtigkeit und internationaler Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die mehr als 80 ErstunterzeichnerInnen warnen eindringlich: „Militär löst keine Probleme. Schluss damit. Eine andere Politik muss her. Damit wollen wir anfangen: Militärische Aufrüstung stoppen, Spannungen abbauen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen, Perspektiven für Entwicklung und soziale Sicherheit schaffen, Entspannungspolitik auch mit Russland, verhandeln und abrüsten. Diese Einsichten werden wir überall in unserer Gesellschaft verbreiten. Damit wollen wir helfen, einen neuen Kalten Krieg abzuwenden.“ Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Aufrufes rufen zu einer bundesweiten Unterschriftenaktion (online und offline) auf, die sie mit weiteren Aktivitäten begleiten wollen.
Den Aufruf zum Unterschreiben und zusätzliche Informationen finden Sie auf der Webseite www.abruesten.jetzt.
– Die Gefahr aus dem Osten als Vorwand für Rüstung: Kommentar von U. Gellermann.
Ein 4-Min.-Video, gemacht für die Berliner Politiker.

Auch im Landkreis FFB wird die Friedensbewegung wieder aktiv: Das Sozialforum Amper, die Antikriegsinitiative FFB und wir vom Herausgeberkreis FFBaktiv rufen dazu auf, sich gegen Rüstung und Kriegsgeschrei zusammenzufinden. 2018 werden wir gemeinsam gegen Kriegspolitik demonstrieren.

Straßennamen sind ein Bekenntnis

Die Brucker SZ berichtete am 8.11.17 über die Debatte der Straßenumbenennungen in FFB: „Bis Anfang Oktober haben sich 401 Brucker online und 130 per Vordruck aus dem Rathausreport an einer Umfrage der Stadt beteiligt und teils gleich neue Namen für die betroffenen Straßen vorgeschlagen.“ Eine Umbenennung von Straßen wurde von vielen, vor allem von Bewohnern der Langbehnstraße in Puch,  auch dann abgelehnt, „wenn deren Namensgeber dunkle Kapitel in ihrer Biografie aufweisen – vor allem in den Jahren der Nazi-Diktatur“. Als Kompromiss werden Zusatzschilder befürwortet, „auf denen diese dunklen Kapitel in kurzen Texten beleuchtet werden“. Der städtische Arbeitskreis, der sich mit der Thematik befasst, will aufgrund eines Abstimmungs-Patts die Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße und der Hindenburgstraße nicht mehr empfehlen. 17 Straßen bleiben in der Diskussion. Darunter „die nach einem antisemitischen Schriftsteller benannte Langbehnstraße in Puch sowie die Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller- und Zenettistraße in der Flughafensiedlung, die nach Offizieren und Piloten der Wehrmacht benannt sind“. Anfang 2018 soll weiter diskutiert werden und im April 2018 soll der Stadtrat sein Placet geben.
Kommentar: Sicherlich sind die Ablehner von Umbenennungen, also auch die Bewohner der Langbehnstraße keine Nazis. Weshalb sie sich aber zum Straßennamen eines Antisemiten und Befürworter faschistischer Gewalt bekennen, bleibt für viele Menschen, die für eine demokratische, völkerverbindende und gewaltvermeidende Politik eintreten, unerfindlich. Denn Argumente wie „egal“ oder „verjährt“ oder „halb-so-schlimm“ haben den Effekt der Verharmlosung. Sie atmen den Geist der  Vertuschung in den Jahren nach 1945: „Wir hatten damit nichts zu tun“ und des „Jeder kann sich irren und Fehler machen“. Haltungen dieser Art verhindern die immer noch nicht ausreichende Aufarbeitung der deutschen Weltkriegs-Schuld, der Judenpogrome und der Demokratieverunglimpfung. So liefern sie der AfD und anderen Rechtsaußen-Parteien propagandistisches Futter. Und damit sind sie unseren Kindern und der Schuljugend ein negativ-trauriges Vorbild. Anstatt ihnen mit einem Einsatz für die Umbenennung der Straßen durch Namen der Opfer des deutschen Faschismus und von Kämpfern für Demokratie, Frieden und Völkerverständigung eine Haltung vorzuleben, die neuen Nazi-Wahnsinn von vornherein verhindern hilft. Das ist ihnen und dem Brucker Stadtrat unabdingbar abzufordern! Übrigens: Schilder mit Hinweisen auf die früheren Straßennamen und den Grund für ihre Umbenennung anzubringen, ist auch dann möglich und sinnvoll.

Krieg verteidigt nicht die Kultur, er widerspricht ihr in allem!

Stellungnahme des Herausgeberkreises des Internetportals „FÜRSTENFELDBRUCK AKTIV – Information und Diskussion für eine gemeinwohlorientierte Stadt- und Landpolitik“:
Kampfjets als Denk-Mal?
Der Konversionsausschuss im Stadtrat überlegt, stillgelegte Düsenjäger auf dem Fliegerhorst mit städtischem Geld der Bundeswehr abzukaufen, um sie als Erinnerungs-Denkmäler auszustellen.

Unsere Meinung: Ist das nützlich oder kann das weg? So kann das berühmt gewordene Wort der Reinigungskraft beim Anblick einer Kunstinstallation von Joseph Beuys – „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – aktuell gewendet werden. Die Antwort fällt uns nicht schwer: Das ist Schrott, der für todbringende Kriegseinsätze gemacht wurde. Noch immer werden Kampfjets und Bomben gebaut und von der Bundeswehr weltweit eingesetzt. Neben vielerlei anderem Kriegsgerät. Das ist weder Kunst, noch kulturell wertvoll und schon gar nicht von Nutzen für ein friedvolles Miteinander. Weshalb nicht? Der Psychoanalytiker, Theologe und Schriftsteller Eugen Drewermann sagt es so:
„Stellen Sie sich vor, wir hätten die letzten 25 Jahre die enormen Anstrengungen für Rüstung konvertieren können für die wirkliche Lösung der Probleme der Welt: Hunger, Elend, Naturzerstörung, Analphabetismus, Seuchen, Krankheiten … Stattdessen wird die Bevölkerung bei Katastrophen gebeten, in den nächsten sechs Wochen persönlich zu helfen, etwa für die Katastrophe in Mexiko, in Haiti oder sonst wo … Unsere Feinde wären aber nicht unsere Feinde, würden wir mit ihnen reden und versuchen, sie zu verstehen. Für jeden Mann und jede Frau ist das die normale Form der Versöhnung, warum sollte sie zwischen Staaten nicht möglich sein? … Drei Viertel aller Opfer sind Kinder, sind Frauen, sind alte Leute. Und dann will man den Sieg feiern … der Krieg verteidigt nicht die Kultur, er widerspricht ihr in allem.“
Wem nutzt Kriegsgerät? Den Millionen Toten und Kriegsversehrten nicht. Den zum Kriegsdienst Verpflichteten nicht. Den Notleidenden und Drangsalierten nicht. Den Arbeitenden und Arbeitslosen nicht. Den Lernenden und Kindern nicht. Allen Lebenden nicht, weil Krieg ihr Leben bedroht. Aber den Produzenten sehr viel, weil davon ihr Geldbeutel klingelt. Auch psychotischen Militärjunkies, denen Kampfhandlungen als Drogenkick dienen.

Deswegen sagen wir: Keine städtischen Gelder für die Bundeswehr, die damit neue Waffen von Heckler & Koch kauft! Weg mit dem Kriegsschrott! Die Rüstungsfabrikation konvertieren!
Sich dafür einzusetzen, wäre die Aufgabe der gewählten Politiker einer Stadt mit einer unseligen Militärvergangenheit, indem sie vor Ort konkrete Politik für den Frieden auf der Welt machen und so unseren Kindern als Vorbild dienen. Und es wäre die Aufgabe eines OBs, der sich der weltweiten Organisation „Mayors for Peace“ verbunden fühlt und so seine Ernsthaftigkeit unter Beweis stellt.

Kulturraum Fürstenfeldbruck – Herausgeberkreis des Internetportals www.ffbaktiv.de.

Karikatur als Kommentar von Guido Zingerl, Kunstpreisträger 1985 des Landkreises Fürstenfeldbruck:

Militärschrott als Denkmäler?

Die Brucker SZ berichtete am 18.9.17: „Historisches Erbe mit Flügeln. Kreisstadt bekundet beim Bund grundsätzliches Interesse an bis zu sechs demilitarisierten Düsenjägern und Propellerflugzeugen. Die Exponate könnten nach Abzug der Luftwaffe an die Geschichte des Fliegerhorsts erinnern“.
Das Brucker Tagblatt am 20.9.17: „Konversionsausschuss - Stadt will alte Militär-Flugzeuge kaufen. Kampfflugzeuge im Besitz der Stadt? … Die CSU stellt sich vor, einigeausrangierte Flugzeuge in Fursty zu erwerben und als Denkmal stehenzulassen.“
Zu den Beiträgen erschienen in der Brucker SZ am 27. September 2017 zwei Leserbriefe: „Fliegerhorst Bruck soll eine Friedensbotschaft aussenden … SZ-Leser kritisieren eine Ausstellung von Waffentechnik und plädieren für eine Erinnerungskultur, die aufklärende Bildungsarbeit an den Schulen in den Vordergrund stellt“:

Kampfjets im Fliegerhorst als Denkmal?
Wem nutzt die Ausstellung alter Waffentechnik auf dem geplanten Wohnungsbaugelände Fliegerhorst? Laut dem Spitzenkandidaten der AfD, Alexander Gauland, „… haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. So relativiert man Verbrechen. Ehrliche Erinnerungskultur benennt das Negative, fragt nach Alternativen, diskutiert sie und fordert sie ein. Mit alten Düsenjägern, weil sie zur „Brucker Luftwaffen-Geschichte“ gehören? Altes Kriegsgerät auszustellen begleitet bloß die Pflege einer tödlichen und traurigen Tradition. Das wäre Simulation von Geschichtsbewusstsein. Sollte nicht endlich eine positive begründet und gepflegt werden? Sollte vom Fliegerhorst, auf dem schreckliche Ereignisse stattfanden, nicht besser eine Friedensbotschaft ausgehen?

Was traumatisierte Geflüchtete, zu erwartende Besucher und später Mieter auf dem Gelände sehen sollen, ist ein Militärmuseum und eine Militärkirche, sind etliche denkmalgeschützte Nazigebäude und dazu Kampfjets – zusammen „historisches Erbe“ genannt. Wenn an militärische Tradition erinnert werden soll, wären dann nicht Bilder von den Folgen militärischer Aktionen passender: Kriegsaufmärsche, zerbombte Städte, zerfetzte Leichen und die Zerstörung ganzer Landstriche? Und Bilder von Ertrinkenden, vom Elend der Menschen an Grenzzäunen, von provisorischen Massenquartieren, in denen sie erniedrigt werden – weil wir die fliehenden Kriegsopfer abweisen? Nein, das will man niemandem zumuten.
Stattdessen wäre eine Installation denkbar, die sich an der „Non Violence“-Skulptur orientiert, einem verknoteten und so funktionsuntüchtig gemachten Revolver vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Aus einem der Düsenjäger könnten Künstler eine „Non War“-Installation gestalten, die dem Begriff „Denk-Mal“ zur Ehre gereicht, die angesichts des anschwellenden Kriegsgeschreis und neuen Rüstungswettlaufs eine Friedensbotschaft ausstrahlt und ungute Wehrmachtstraditionen infrage stellt. Daran könnten aufklärende Bildungsmaßnahmen in Schulen unserer Stadt anknüpfen. So wäre eine neue und bessere Erinnerungskultur auf den Weg gebracht. Machen wir Bruck zu einem Vorbild für Friedenspädagogik! Steht OB Erich Raff zu seiner Mitgliedschaft im weltweiten Bündnis „Mayors for Peace“? Dann setzt er sich dafür ein und wird berühmt!
Harald Buwert, Olching

Kein Museum für Militärschrott
In der Diskussion um eine Gedenkstätte auf dem Fliegerhorst kann ich nur der Meinung von Herrn Setzwein zustimmen: Weg mit altem Kriegsschrott und schon überhaupt kein Geld der Steuerzahler dafür. Wie schwach hier die Begründung des von mir geschätzten Herrn Bierl für seinen gegenteiligen Standpunkt ist, zeigt schon allein, dass er seine Forderung nach Ankauf und eine Art Museum als „selbstverständlich“ bezeichnet.

Selbstverständlich ist bei einer solchen Diskussion rein gar nichts! Nach meiner Meinung brauchen wir kein solches Museum für alten Militärschrott oder auch Kriegshelden. Andere Nationen sollten ebenfalls die Finger davon lassen, egal ob es sich um angeblich ruhmvolle Schlachtfelder, Kriegsgerät oder Kriegshelden wie den Alten Fritz, Napoleon, Bomber Harris oder andere handelt. Dafür brauchen wir Orte, wo die Verbrechen und Schrecken der Kriege und verbrecherischer Ideologien verdeutlicht werden, zum Beispiel Verdun, Langemarck, Dachau, Oranienburg, Hiroshima, Nagasaki, Katyn, Bautzen, und anders mehr
Wir brauchen auch kein weiteres Flugzeugmuseum. Wer so ein Museum besuchen will, kann ins Zweigmuseum des Deutschen Museums bei Schleißheim gehen. Dorthin gehören auch die in Fürstenfeldbruck gesammelten Erinnerungsstücke an die alte Fliegerschule. Wir haben überhaupt manche unnötigen und nur finanzielle Verluste bringende Ausstellungen und Orte der „Erinnerungskultur“. Das Gelände des Fliegerhorstes könnte man viel sinnvoller für den Wohnungsbau nutzen, möglichst auch teilweise für Kriegsflüchtlinge.
Das wäre dann auch ein kleiner Beitrag zu Wiedergutmachung und Völkerversöhnung. Zur Erinnerung an den Fliegerhorst würde auch eine Gedenktafel, vielleicht auch in Kombination mit einem Gedenken an das schreckliche Geschehen bei den Olympischen Spielen 1972, vollauf genügen.
Dr. Ludwig Kippes, Puchheim