Kategorie: Kommentiert

Nie mehr Militärflugplatz Fürstenfeldbruck?

Die Brucker SZ meldete am 9.10.17: Norman Dombo, seit 25 Jahren Vorsitzender der 1992 gegründeten Bürgerinitiave gegen Fluglärm, lädt zum „Freitag, 13. Oktober, ins Bürgerzentrum Gernlinden zur letzten Jahreshauptversammlung, in der sich die Initiative selbst auflösen wird.“ Der Grund: „Am letzten Tag des Jahres 2015 hat das letzte Flugzeug den ehemaligen Militärflugplatz Fürstenfeldbruck verlassen … Die Bürgerinitiative zählte in ihrer aktivsten Zeit in den Neunzigern laut dem Vorsitzenden Dombo mehr als 1400 Mitglieder. Außerdem sei der Maisacher Verein die erfolgreichste Bürgerinitiative gegen Fluglärm in ganz Deutschland, sagt er, da der Widerstand der Bürger Früchte gertragen habe … „Es ging wirklich darum, etwas für die Allgemeinheit zu tun.“ Er wollte die Lebensqualität seiner Mitbürger steigern. Die Initiative habe dann auch starken Rückhalt in der Bevölkerung erfahren … Die Auflösung des Flugplatzes sei jedoch eine politische Entscheidung gewesen. „Was wäre, wenn sich eine neue politische Mehrheit finden würde?“, warnt Dombo … Das Thema sei aber „niemals gänzlich vom Tisch“.
Kommentar: Damit hat er recht, denn die aktuell kriegerischen Zeiten brigen so manchen Politiker auf den seltsamen Gedanken, die kriegerischen Zerstörungskräfte unserer Welt seien noch nicht groß genug. Erhöhungen der Rüstungsetats seien notwendig. Ja, sogar der Ankauf alten Düsenjäger-Schrotts sei opportun. Soll so die Wehrbereitschaft der Bevölkerung gestärkt werden und der Bundeswehr städtisches Geld zufließen, um mehr Waffen kaufen zu können?

Mensch und Natur. Verträgt sich das?

Auf dem Gelände des Fliegerhorsts wird das Miteinander von anscheinend Unvereinbarem geplant und geprobt. Merkwürdige Konstellationen ergeben sich, Widersprüchliches entsteht, Kurioses kündigt sich an. Wir zitieren in Kursiv-Schrift aus einem umfangreichen und faktenreichen Bericht des Brucker Tagblatts vom 29.9.17 und äußern dazu ein paar unbotmäßige Gedanken:
Am alten Flugplatz bei Maisach wird gebaut. Nein, noch nicht die Umfahrung und erst recht nicht die Trabrennbahn. Es wird die Natur umgebaut.
Ach so, nur die Natur, die hier längst nicht mehr natürlich ist. Jetzt wird die umgebaute Natur erneut umgebaut. Zu wessen Nutzen?

Nirgendwo in Südbayern gibt es zusammenhängende Wiesenflächen in vergleichbarer Größe. Deshalb und wegen des Artenreichtums wurde das Gebiet im Jahr 2004 vom Freistaat Bayern als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet nachgemeldet … in einem FFH-Gebiet stehen Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume unter besonderem Schutz.
Soll heißen, dort darf „die Natur“ nicht durch menschliche Eingriffe verändert werden. Es sei denn, die Obrigkeit will es, weil sie meint, dass sie Höherem im Wege steht.

Der Mensch greift in die Natur ein und macht sie damit zu einer besseren Natur? Hört sich unlogisch an … „Aber man darf nicht vergessen: Das hier ist keine Natur. Das sind von Menschen gemachte Lebensräume.“
Hiermit sind nun die Flächen außerhalb des FFH-Gebietes gemeint, die tier- und pflanzengerecht gepflegt und gehegt werden sollen. Bis eine gegenteilige Order zu Baumaßnahmen führt. Dazu kann es irgendwann kommen.

Durch den Rückbau von Rollbahnen kommen rund sechs Hektar neue Wiese hinzu … Die Wiesen im Nordteil des Flugplatzes werden gepäppelt … Die neue Staatsstraße wird zu beiden Seiten eingezäunt sein. Im Norden, um das FFH-Gebiet zu schützen, im Süden als Abgrenzung zum Fahrsicherheitszentrum von BMW und Polizei. Generell wird das ganze FFH-Gebiet auch künftig von einem Zaun umgeben sein.
Grenzzäune zum Schutz der Natur vor den Menschen oder zum Schutz der Menschen vor der Natur? Es zeigt sich:

… dass zuletzt ziemlich viele Rehe abgeschossen werden mussten – BMW sehe die Tiere ungern über die Teststrecke springen.
Nun wissen wir’s: Es sind die Unternehmensinteressen, die nicht gestört werden dürfen. Man weiß ja: „Das Kapital ist ein scheues Reh“ – das sich hier vor den wilden Artgenossen abgrenzen muss. Wir hier, ihr dort. Man stärkt die Grenzkontrollen, um das Einddringen und die illegalen Aktivitäten der fremdartigen Lebewesen zu verhindern. Gerne auch mit Gewalt.

„Da hat damals keiner daran gedacht, dass das zu Konflikten führen könnte“.
Also wurde nachgebessert und die Grenzanlage perfektioniert. Jetzt ist das besetzte Gebiet sicher.

Wenn jetzt mancherorts gejammert wird, dass eine Staatsstraße und eine Trabrennbahn am FFH-Gebiet gebaut werden, dann kontert Schober: „Bis jetzt hat sich kein Mensch um das Gebiet gekümmert.“ Erst durch die geplante Nachnutzung erfolge jetzt die Aufwertung der Flächen.
Immer noch wird das „Kümmern“, die „Aufwertung“ durch private „Nachnutzung“ nicht allseits akzeptiert? Der Widerspruch zwischen Mensch und Natur  wird gelöst, indem man die Aufwertung der Kümmerer vor wildwucherndem Naturgeschehen abgrenzt und sie den Menschen erfahrbar und nachvollziehbar, ja akzeptabel darreicht:

Auf irgendeine Weise muss das Areal für die Bevölkerung geöffnet werden. Man muss den Leuten nahe bringen, was hier passiert“, sagt Schober.
Das Ergebnis darf begutachtet, der Naturbetrachtung geöffnet werden: „Seht nur, wie einträchtig und friedlich nicht Vereinbares nebeneinander her existieren kann, solange die lästige Natur nicht unseren profitlastigen Plänen in die Quere kommt“.

Gedacht wird deshalb an einen Aussichtsturm am Rande des alten Flugplatzes. Möglich wären auch Führungen mit Ornithologen und anderen Experten.
So wird der Blick über den Grenzzaun hinüber ins feindliche Lager zum touristischen Highlight für die staunende Bevölkerung. Kindergarten- und Schulkinder werden große Augen machen und erschrocken weinen, wenn sie die anstürmenden Tierkörper sehen, die verzweifelt versuchen, die Grenzanlagen zu überwinden. Oder gähnen, wenn sich „drüben“ (erb)ärmlicherweise so gar nichts regt und nur Gras und Bäume zu sehen sind. Da fehlt dann nur noch der Klingelbeutel.

Mit dem Lärm manchmal quietschender Reifen (von BMW), dem Verkehr einer Umfahrung und zu einer Trabrennbahn könne man vergleichsweise leben.
„Schaut mal, Kinder“, wird es heißen: „So oder so ähnlich sah Natur mal aus. Aber bitte nur schauen und die lieben Tiere nicht stören! Und vom Lärm hinter euch lasst ihr euch dabei bitte nicht ablenken!“ Denn:

„Hier am alten Flugplatz im Süden von Maisach ist man mitten in der Natur – und doch auch wieder nicht.“
Und zum guten Schluss wird es heißen: „Danach, liebe Kinder, schauen wir uns noch das Düsenjäger-Denkmal an und gehen ins Militärmuseum. Damit ihr wisst, wozu wir Menschen noch alles fähig sind!“

Weshalb Asylhelfer klagen

Die Brucker SZ berichtete am 26. September 2017: Die Helfer kritisieren Arbeitsverbote für abgelehnte Asylbewerber sowie Versuche der Regierung, Gebühren für die Unterkünfte zu kassieren. Außerdem haben Flüchtlinge nach wie vor Schwierigkeiten im Alltag, etwa bei der Wohnungssuche. „Wir werden oft als Handlanger missbraucht“ … „Die Leute sind dazu verdammt, untätig in den Unterkünften zu sitzen“ … Ärgernis sind die Bescheide der Regierung von Unterfranken, die Gebühren von mehr als 300 Euro pro Monat für die Unterkünfte von Flüchtlingen verlangen … „Wir sind von Asyl- zu Integrationshelfern geworden“ … Außerdem schwinden in einigen Kommunen die Ehrenamtlichen … „Wir brauchen dringend neue Leute“ …
Kommentar: Die durch die Wahlergebnisse gebeutelte CSU-Regierung überlegt, wie sie die Lücke, die sich offenbar nach Rechts aufgetan hat, am besten schließen kann und sucht nun nach restriktiven und opportun-populären Maßnahmen, um AfD-Wähler zurück zu gewinnen. Davon werden gewöhnlich die Schwächsten getroffen und das sind zuerst die Geflüchteten. Denn sie kann man für fast alle unangenehmen Erscheinungen im Alltag zu Schuldigen erklären. Mit ihnen kann man tun, was der eigenen Klientel nicht zugemutet werden kann. Sie kann man drangsalieren, abschieben, im Mittelmeer ersaufen und von Warlords in Libyen vergewaltigen lassen. Uns kann man dagegen mit Sicherheitszänen, Mauern, Polizei und Militär abschirmen und erzählen, wie gut es uns geht. Die ehrenamtlichen Asylhelfer dürfen sich aufarbeiten, um die erwünschte Integration zu stemmen, für die kaum Gelder, Wohnungen und Arbeitsplätze da sind. Wir leben in Absurdistan.

Nazibauten spalten Konversionsausschuss des Stadtrats

Die Brucker SZ berichtete am 14.9.17: Andreas Ströhle (BBV) lehnt den umfassenden Erhalt denkmalgeschützter Fliegerhorstgebäude ab, Andreas Lohde (CSU) widerspricht … für den BBV-Stadtrat steht die an Krieg und Leid erinnernde, bombastische Blut- und Bodenarchitektur der Nazis einer auf die Bedürfnisse künftiger Bewohner zugeschnittenen Bebauung eher im Weg … Ein etwa 50 Meter langes Teilstück würde seiner Ansicht nach genügen, um späteren Generationen das Wesen dieses Komplexes zu veranschaulichen … Andreas Lode – der CSU-Fraktionsvorsitzende würde sogar gerne einige Gebäude, die das zuständige Landesamt gar nicht unter Denkmalschutz stellen will, notfalls auf eigene Faust und Rechnung erhalten … Viele Brucker Stadträte haben sich noch nicht entschieden und schwanken zwischen Ströhles und Lohdes Position.
Das Tagblatt berichtete am 16.9.17 ausführlich über eine neue Studie zum Fliegerhorst.
Kommentar: Naziarchitektur unter Denkmalschutz? „Denk-mal“ ist eine Aufforderung, sich zu erinnern. Dieses Erinnern kann nur dem Wahnsinn gelten, der vor einigen Jahrzehnten geschah. Sind diese Bauten so schön, gut und erhaltenswert, das man darin Menschen von heute wohnen lassen möchte? Oder sie auf ein finsteres Teilstück blicken zu lassen, dass ihnen den Tag vermiesen würde? Ernsthafte Erinnerungskultur sollte heutzutage der Abwehr rechtsgerichteter Politik gelten, die schon wieder dabei ist, unseren Alltag zu vergiften und in den Bundestag einzuziehen. Davor zu warnen, ist die Aufgabe eines Denkmals im ehemaligen Nazi-Fliegerhorst.
Eher lustig erscheint der Vorschlag, die Stadt möge die kleine Kirche kaufen. Soll in ihr der OB von der Kanzel herab seine Politik verkünden?
Info:
Geschichtsrevision á la AfD: Spitzenkandidat Alexander Gauland hat vor AfD-Anhängern gefordert, keine Verantwortung mehr für die Verbrechen deutscher Soldaten zu übernehmen. Stattdessen hätten die Deutschen das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen im ersten und zweiten Weltkrieg.

Dreißig Mitglieder freuen sich

„Das Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck wird im Oktober wieder zum Kino. Ein Interimsbetrieb startet am 27. Oktober … Schließlich wird der städtische Kulturverein in dem denkmalgeschützten Gebäude auch Konzerte, Lesungen und Vorträge anbieten“ (Meldung der Brucker SZ). „Dem Verein haben sich mittlerweile circa 30 Mitglieder angeschlossen“ (Brucker Tagblatt). Ein gemeinnütziger Verein macht Kino und will das Gebäude nebenbei gegen Mietbeteiligung anderweitig nutzen lassen. Wer und wie man da aktiv werden kann, erfährt der geneigte Mitbürger nur auf Anfrage. Zwei „Initiativgruppen“ stritten zuvor um das Wohlwollen des OBs und seiner Verwaltung. Den Zuschlag bekam jene, die eine finanzielle Absicherung am besten zu garantieren schien, denn die Stadtverwaltung will die Unterhaltskosten nicht übernehmen. Der Verein „IG Lichtspielhaus“ will dieses Ziel mit einer Kino-Arthouse-Einrichtung erreichen. Da kann das Filmprogramm noch so gut sein, hier regiert allein der Konsumaspekt.
Kultur kostet Geld, schrieben wir vor ein paar Monaten, und meinten, die der Öffentlichkeit präsentierten Kunst- und Kulturleistungen, die seine Bürger für ihren Kulturstaat erbringen, habe der Kulturstaat mit dem Steuergeld seiner Bürger zu finanzieren. In diesem Fall offene Räumlichkeiten, die seine Bürger ohne Auflagen mit kulturellen Aktivitäten füllen. Darüber könnten sich alle Bürger freuen und nicht nur ein Verein, ein Kinobetreiber und wenige Filmfreaks. Wir brauchen eine Kulturpolitik, gemacht von Stadtbürgern für Stadtbürger. Öffentliche Räume, von ihren Nutzern demokratisch und selbstbestimmt genutzt, von der Stadtverwaltung wohlwollend unterstützt, finanziell gefördert, von Konsumzwang und Unterhaltskosten freigestellt und vor restriktiven Vorschriften geschützt. Das ist der beste Selbstschutz einer Demokratie, die von ihren Feinden zunehmend bedroht wird.

Gebrauchswerte – satirisch gesehen

Das Brucker Tagblatt meldet:Die auffällige Serie von Kunstdiebstählen im öffentliche Raum hält an. Nach einer Katzenskulptur im Juli und einem Sühnestein im April haben Diebe jetzt eines der hölzernen Schafe vom Kreisverkehr am Hagebaumarkt gestohlen.“ Aber nicht nur das: „AfD-Plakate verschwinden. Plakate in Teilen des Wahlkreises Dachau-Fürstenfeldbruck komplett abgeräumt„, so titelt die Brucker SZ.
Kunst-Diebe und Plakate-Langfinger machen Beute. Sammler oder Verächter künstlerischer wie politischer Werke? Oder sind es Tierliebhaber und Politikgegner? Kunstsammler, -diebe und -zerstörer haben es mit ihrem Handwerk ja schon in etliche Hollywoodfilme hinein geschafft. Aber Plakatdiebe und -zerstörer sind medial verpöhnt und werden hart verfolgt. Das versteht sich nicht von selbst, bedenkt man, dass hinter jedem Plakatdesign grafische Entwurfsarbeit steckt und dagegen manch Gemälde mit Rakeln in Sekundenschnelle auf eine Leinwand „geworfen“ wird. Das eine wird nach Stundensatz entlohnt, das andere mit Glück für viele Millionen verkauft. Nüchtern betrachtet ist beider Gebrauchswert recht bescheiden. In diesem Fall zeitigt er unterschiedliche Folgen: Die entwendeten Tierskulpturen erfreuen jetzt anderswo Augen, während die fehlenden Wahlplakate durch neue ersetzt werden, die unsere Augen wenig bis gar nicht erfreuen.

„Wanted“: Kopfgeldjägerei

Das Brucker Tagblatt meldete am 24.8.17: AfD setzt 20.000 Euro Prämie aus … Die AfD richtet ihren Aufmerksamkeitsappell vor allem an Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen, mit denen sie an neuralgischen Punkten bereits zusammenarbeite, wie Jäger sagte. Der Kreisverband werde Security-Mitarbeitern je einen Betrag von 400 Euro für jeden überstellten Straftäter auszahlen … Er wolle nicht, dass die Bevölkerung auf einander losgehe, daher setze man auf Profis, erklärt Jäger ((Direkt-Kandidat für die Bundestagswahl)). „Wir sind ja nicht im wilden Westen.“
Wahlplakatzerstörung ist gem. § 304 Abs. 2 StGB eine gemeinschädliche Sachbeschädigung und damit strafbar. Darüber hinaus erweist sie der Demokratie einen Bärendienst. Wenn die AfD nun Kopfgeldjäger in Wildwest-Manier auf Plakatzerstörer ansetzt, obwohl eigene Parteigänger nicht anders agieren, handelt es sich um die Anwendung der „Haltet-den-Dieb“-Strategie. Zu oft kommen aus den Reihen der AfD aggressive Töne und sogar gewaltfördernde Verbalentgleisungen, deren geistige Herkunft unschwer im rechtsradikalen Milieu zu finden ist. Sie maßt sich an, „das Recht“ auf ihrer Seite sehen und den Sheriff spielen zu dürfen. Die Behauptung, dass „wir ja nicht im Wilden Westen“ seien, ist nichts anderes als ihr „Fake News“-Produkt. Noch spielt sie gerne die Rolle von Biedermännern.

Scherz- und Wut-Wahlkampf?

Wie der Brucker SZ vom 21.8.17 zu entnehmen ist, werden die Schmierereien und Plakatbeschädigungen in Gröbenzell und Eichenau unterschiedlich bewertet: „SPD bewertet Schmierereien auf den Plakaten ihres Bundestagskandidaten als zielgerichtete rechtsradikale Aktion. Grüne warnen vor voreiligen Schlüssen. Für den Staatsschutz sind die Vorfälle keine politischen Aktivitäten“. Wenig Realitätssinn zeigen staatliche Organe und deren Vertreter. So „verbindet die Staatsschutzabteilung der Brucker Kripo mit der Beschädigung der Plakate keine staatsfeindlichen oder politischen Aktivitäten Rechter. Bei den unbekannten Tätern dürfte es sich um keine Identitären handeln“. Der Gröbenzeller Polizei-Inspektionsleiter Karl-Heinz Pangerl meint sogar, es „kann es sich auch um einen schlechten Scherz handeln“ … „Die Gröbenzeller Polizei bestreitet im Unterschied zur SPD die Existenz einer rechten Szene in der Gemeinde. Laut dem Inspektionsleiter gibt es zwar einige Gröbenzeller mit rechtem Gedankengut. Diese träten jedoch in München, nicht im Landkreis in Erscheinung.“ Das es auch umgekehrt funktionieren kann, wird unterschlagen, ebenso die Zunahme von Aktivitäten AfD-orientierter Jugendlicher im Dunstkreis der „Identitären“, die nicht nur in Dachau zuhause sind. Auch die Parteien reagieren unterschiedlich. „SPD-Gemeinderat Peter Falk spricht von einer ‚zielgerichteten rechtsradikalen Aktion‘. Falk geht sogar so weit, die Beschädigungen dem Umkreis der Identitären Bewegung zuzuordnen … Er verweist darauf, dass sich Schodi besonders in Gröbenzell sei Jahren für die Bekämpfung rechtsextremistischer Hetze eingesetzt habe. Zudem sie die SPD zur Zielscheibe antidemokratischer Agitatoren aus dem rechten Spektrum geworden, weil sie sich für ein soziales, demokratisches Europa einsetze.“ CSU-Bundestagsdirektkandidatin Katrin Staffler spricht von einem unmöglichen, demokratiefeindlichen Verhalten und meint, man könnte auf rechtsradikale Täter schließen. Die Grünen wählen dagegen die harmlosere Beurteilung: Walter-Rosenheimer, Bundestagskandidatin der Grünen, „geht nicht so weit wie die SPD, die Aktionen Rechtsextremen zuzuordnen.“ Dennoch macht es der Germeringerin Angst. Laut Jan Halbauer vom Kreisvorstand der Grünen „könnte auch ‚Wut auf Politiker‘ der Grund für die Sachbeschädigungen sein“. Angst und Verharmlosung, meinen wir, sind keine guten Politikberater.

Der Wahnsinn heißt „Gebührenerstattungskostenaufstellung“

Die Brucker SZ meldet am 11.8.17: Regierung verlangt von Asylbewerbern Gebühren für Unterkünfte, teilweise Tausende Euro rückwirkend. Der Olchinger Helferkreis spricht von Mietwucher. Den Löwenanteil muss das Jobcenter begleichen … Die Regierung fordert … rückwirkend … mehrere Tausend Euro. Betroffen sind in erster Linie sogenannte Fehlbeleger, anerkannte Asylbewerber, die in Unterkünften leben müssen, weil sie keine Wohnung finden. Im Landkreis sind das nach Angaben des Jobcenters derzeit 915 Menschen. Weil kaum einer genügend Geld verdient, um die Gebühren zu bezahlen, wird das Jobcenter den Löwenanteil übernehmen. Die Einrichtung in Fürstenfeldbruck kalkuliert mit einer Summe von insgesamt 250.000 Euro pro Monat … Grundlage ist die bayerische Asyldurchführungsverordnung (DVASyl) vom August 2016. Die Post kommt aus Unterfranken, weil die dortige Bezirksregierung das Geld zentral für ganz Bayern eintreibt. Allein im Mai hat die Behörde mehr als 20 000 Bescheide verschickt … Die zuständige Abteilung … laufe jetzt „im Vollbetrieb“ … „Das macht 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter“ … Für Familien würden drei- bis viertausend Euro fällig, im Fall einer achtköpfigen Familie handele es sich um einen fünfstelligen Betrag … Das Jobcenter prüft, ob die Betroffenen bereits Arbeitslosengeld II oder Hartz IV beziehen oder Anspruch darauf haben. In diesen Fällen übernimmt das Jobcenter die Kosten oder stockt auf, wenn die eigenen Einkünfte nicht ausreichen … Das bedeutet, wenn vier erwachsene Flüchtlinge in einem Zimmer in einer Unterkunft leben, kassiert der Staat insgesamt 132 Euro für Strom im Monat von ihnen.
Kommentar der Brucker SZ vom 11.8.17.
Unser Kommentar: Das Land Bayern zahlt letztlch mit Steuergeldern die „Gebühren“ an sich selbst. Der Sinn der schizoiden Maßnahme: Die Geflüchteten werden ganz im Sinne der AfD und anderer rassistisch Motivierter verunsichert und drangsaliert, bis sie freiwillig „gehen“ oder zur Geldbeschaffung ins kriminelle Milieu abrutschen. Dann kann aufgeschrien, abgeurteilt und abgeschoben werden. Und Wahlen werden wieder gewonnen.

Billiger Fahren mit dem MVV ab 60?

Oder erst mit Renteneintritt oder bei Krankheit oder …? Rechtsanwalt F. reichte Klage ein. Die 60-Jahres-Grenze erscheint ihm willkürlich und nicht gerechtfertigt. Ob der MVV diese Grenze setzen darf, wird ein Amtsgericht klären. Doch das ist relativ unwichtig. Denn es geht nicht um Altersgrenzen, sondern wie immer ums Geld. Hervorgekehrt wird im Disput die finanzielle Motivation des MVV. Vergessen wird die finanzielle Situation der sogenannten Senioren, der Älteren unter uns, die zunehmend von Altersarmut bedroht sind. Und jener, die als sozial Benachteiligte unter der sog. Armutsgrenze leben müssen. Um ihre Lebenssituation geht es, nicht um die des MVV oder eines Rechtsanwalts. Hartz-IV- und Grundsicherungsgesetzgebung verhindern größere Not beim Überlebenskampf. Hartz-IV erweist sich jedoch als ungenügend und arbeitet mit Zwangsmaßnahmen. So wird das Leben zum Hamsterrad, das oft psychische Schäden zur Folge hat (siehe unten). Die Grundsicherung im Alter drangsaliert zwar nicht mit Arbeits- und sogenannten Weiterbildungsmaßnahmen. Sie sperrt ihr Klientel aber in ein unauflösbares Korsett, denn Zuverdienst wird abgezogen und ein Ausweg aus dieser Situation ist im Alter aussichtslos. Sie verurteilt Grundsicherungsbezieher, bis zum Lebensende auf Hartz-IV-Niveau zu leben. Beides sind gnadenlose Gnadenakte unseres sogenannten Sozialstaates. Auch wenn Rechtsanwalt F. mit seiner Klage ein soziales Motiv im Kopf hatte, trifft er die Falschen. Denn helfen kann allein ein MVV-Sozialticket für alle sozial Benachteiligten. Deren Daten sind penibel erfasst und problemlos abrufbar. Ihnen könnte der Landkreis ein Jahresticket ermöglichen, das es ihnen ermöglicht, zum stark ermäßigten Preis mit Bus und Bahn zu fahren. Andere Städte machen es vor. Brucks soziale Ader leidet jedoch an Blutarmut.
Der Bericht zur Klage in der Brucker SZ vom 4.8.17.
Wir berichteten zum Thema „Sozialticket“ bereits am 22.4. und am 9.5.
Ein ergänzender Kommentar unseres Lesers R. H. Ende:
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