Bitten oder verbieten?

Plastikmüll verseucht unseren Planeten. Der TV-Sender „3sat“ zeigt in einem neuen Bericht, es geht nicht nur anders, es geht vorbildlich und zur Zufriedenheit aller Bewohner. Darin heißt es: Deutschland hat ein Müll-Problem und ist europäischer Spitzenreiter im Kunststoffverbrauch … Ein Städter verursacht mehr als doppelt so viel Müll wie jemand, der auf dem Land lebt. Immer mehr Einzelportions- und „To Go“-Verpackungen tragen dazu bei … Durch die wachsende Wegwerfmentalität kommt der Bundesbürger mittlerweile auf 213 Kilo Verpackungsmüll pro Jahr – ein neuer Negativrekord … Dabei ist konsequente Müllvermeidung gar nicht so schwer. Das ostafrikanische Entwicklungsland Ruanda zeigt, wie einfach das möglich ist. In Ruanda sind seit 2008 Plastiktüten im ganzen Land verboten. Seitdem ist es illegal, Polyethylentüten herzustellen, zu importieren, zu verkaufen oder zu benutzen. Einkäufe werden in Papiertüten transportiert und in den Kühlregalen der Supermärkte gibt es keine abgepackten Lebensmittel. Und es gibt einen kollektiven Putztag in Ruanda: An jedem letzten Samstag des Monats liegt ab sieben Uhr morgens drei Stunden lang der gesamte Straßenverkehr im Land lahm. Dann fegen Ruander mit Reisigbesen die Straßen und sammeln alles auf, was herum liegt. Das Ergebnis: Kein Abfall am Straßenrand, keine wilden Müllkippen, weder in der Hauptstadt Kigali, noch auf dem Land. Die USA, das Mutterland des Wegwerf-Konsums, haben längst drakonische Strafen für Müll-Sünder eingeführt. Deutschland tut sich schwer damit, jede Kommune handhabt es unterschiedlich.
Der 44-Minuten-Bericht auf 3sat. – Die 6-Minuten-Kurzfassung auf 3sat/nano.
Allerdings: Es funktioniert in Ruanda nur mit einem gesetzlichen Plastikverbot und der Einführung eines Pflichtputztages für alle. Selbst, wenn wir es ebenso machen wollten: Die Plastikindustrie hat sich längst als „sytemrelevant“ erwiesen. Das bedeutet, dieser Industriezweig generiert so viel Gewinn, Steuergelder und Arbeitsplätze, dass seine Abschaffung unseren „Wohlstand“ gefährdete – so heißt es. Wir haben die Wahl: Lassen wir den Planeten im Plastikmüll ersaufen und letztlich unsere Gesundheit zerstören oder kümmern wir uns ohne Wenn und Aber um Alternativen? Jede Kommune, jede Stadt steht vor dieser Wahl.