Monatsarchiv: Oktober 2017

Nie mehr Militärflugplatz Fürstenfeldbruck?

Die Brucker SZ meldete am 9.10.17: Norman Dombo, seit 25 Jahren Vorsitzender der 1992 gegründeten Bürgerinitiave gegen Fluglärm, lädt zum „Freitag, 13. Oktober, ins Bürgerzentrum Gernlinden zur letzten Jahreshauptversammlung, in der sich die Initiative selbst auflösen wird.“ Der Grund: „Am letzten Tag des Jahres 2015 hat das letzte Flugzeug den ehemaligen Militärflugplatz Fürstenfeldbruck verlassen … Die Bürgerinitiative zählte in ihrer aktivsten Zeit in den Neunzigern laut dem Vorsitzenden Dombo mehr als 1400 Mitglieder. Außerdem sei der Maisacher Verein die erfolgreichste Bürgerinitiative gegen Fluglärm in ganz Deutschland, sagt er, da der Widerstand der Bürger Früchte gertragen habe … „Es ging wirklich darum, etwas für die Allgemeinheit zu tun.“ Er wollte die Lebensqualität seiner Mitbürger steigern. Die Initiative habe dann auch starken Rückhalt in der Bevölkerung erfahren … Die Auflösung des Flugplatzes sei jedoch eine politische Entscheidung gewesen. „Was wäre, wenn sich eine neue politische Mehrheit finden würde?“, warnt Dombo … Das Thema sei aber „niemals gänzlich vom Tisch“.
Kommentar: Damit hat er recht, denn die aktuell kriegerischen Zeiten brigen so manchen Politiker auf den seltsamen Gedanken, die kriegerischen Zerstörungskräfte unserer Welt seien noch nicht groß genug. Erhöhungen der Rüstungsetats seien notwendig. Ja, sogar der Ankauf alten Düsenjäger-Schrotts sei opportun. Soll so die Wehrbereitschaft der Bevölkerung gestärkt werden und der Bundeswehr städtisches Geld zufließen, um mehr Waffen kaufen zu können?

„Rätselraten um die Sparkassenfusion“

Die Brucker SZ informierte am 5.10.17 über das sogenannte „Mehrwertgutachten“ der Sparkasse, das aufzeigen soll, wer von der geplanten Fusion am meisten profitieren würde. Es heißt, „nur falls ein Zusammenschluss allen Beteiligten einen „Mehrwert“ bringt und es keine Verlierer gibt, soll er 2018 wirklich kommen“. Erst „am 9. November soll das Papier in einer nichtöffentlichen gemeinsamen Sitzung von Stadt- und Kreistag im Sparkassensaal vorgestellt, ein paar Tage später die Öffentlichkeit informiert werden“. Der SZ-Artikel enthält weitere wichtige Fakten zur Sachlage.
Dr. Rainer Gottwald aus Landsberg äußert dazu: „Im Falle einer Fusion hat als Ausgleich die Sparkasse Landsberg an die Träger rund 46 Mio. Euro abzuführen … Allem Anschein nach wird sehr geheimnisvoll getan. Es bleibt abzuwarten ob das neue (Mehrwert-)Gutachten entsprechend publiziert wird oder ob nur Bruchstücke bekannt werden. Bekannterweise fallen Gutachten so aus, wie sie der Auftraggeber (Sparkasse) will. Dies ist nach der „schmallippigen Stellungnahme“ der Sparkasse FFB auch hier zu erwarten. Für Landsberg bleibt nach wie vor die Behauptung bestehen: Von einer Fusion mit den beiden anderen Sparkassen profitieren in Landsberg nur 10 Personen, der Landkreis insgesamt leidet.“

Brucker AEZ verschenkt „abgelaufene“ Lebensmittel

Das 4-Minuten-Video der TV-Sendung „quer“ im BR Fernsehen vom 5.10.17 berichtet aus dem AEZ am Bahnhof Buchenau, von einem ähnlich arbeitenden Laden in Berlin und von der Foodsharing-Initiative in München: „Im oberbayerischen Fürstenfeldbruck gibt es in einem Supermarkt jetzt diverse Lebensmittel kostenlos. Nämlich wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum noch am selben Tag abläuft. Verzehr auf eigene Verantwortung. So kommen Lebensmittel an den Mann und die Frau, und landen nicht im Müll. Docg liegt das Problem nicht eigentlich woanders? In der staatlich unterstützten Überproduktion von Lebensmitteln?“

Bildquelle: BR-http://br.de/s/34FsRy

Mensch und Natur. Verträgt sich das?

Auf dem Gelände des Fliegerhorsts wird das Miteinander von anscheinend Unvereinbarem geplant und geprobt. Merkwürdige Konstellationen ergeben sich, Widersprüchliches entsteht, Kurioses kündigt sich an. Wir zitieren in Kursiv-Schrift aus einem umfangreichen und faktenreichen Bericht des Brucker Tagblatts vom 29.9.17 und äußern dazu ein paar unbotmäßige Gedanken:
Am alten Flugplatz bei Maisach wird gebaut. Nein, noch nicht die Umfahrung und erst recht nicht die Trabrennbahn. Es wird die Natur umgebaut.
Ach so, nur die Natur, die hier längst nicht mehr natürlich ist. Jetzt wird die umgebaute Natur erneut umgebaut. Zu wessen Nutzen?

Nirgendwo in Südbayern gibt es zusammenhängende Wiesenflächen in vergleichbarer Größe. Deshalb und wegen des Artenreichtums wurde das Gebiet im Jahr 2004 vom Freistaat Bayern als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet nachgemeldet … in einem FFH-Gebiet stehen Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume unter besonderem Schutz.
Soll heißen, dort darf „die Natur“ nicht durch menschliche Eingriffe verändert werden. Es sei denn, die Obrigkeit will es, weil sie meint, dass sie Höherem im Wege steht.

Der Mensch greift in die Natur ein und macht sie damit zu einer besseren Natur? Hört sich unlogisch an … „Aber man darf nicht vergessen: Das hier ist keine Natur. Das sind von Menschen gemachte Lebensräume.“
Hiermit sind nun die Flächen außerhalb des FFH-Gebietes gemeint, die tier- und pflanzengerecht gepflegt und gehegt werden sollen. Bis eine gegenteilige Order zu Baumaßnahmen führt. Dazu kann es irgendwann kommen.

Durch den Rückbau von Rollbahnen kommen rund sechs Hektar neue Wiese hinzu … Die Wiesen im Nordteil des Flugplatzes werden gepäppelt … Die neue Staatsstraße wird zu beiden Seiten eingezäunt sein. Im Norden, um das FFH-Gebiet zu schützen, im Süden als Abgrenzung zum Fahrsicherheitszentrum von BMW und Polizei. Generell wird das ganze FFH-Gebiet auch künftig von einem Zaun umgeben sein.
Grenzzäune zum Schutz der Natur vor den Menschen oder zum Schutz der Menschen vor der Natur? Es zeigt sich:

… dass zuletzt ziemlich viele Rehe abgeschossen werden mussten – BMW sehe die Tiere ungern über die Teststrecke springen.
Nun wissen wir’s: Es sind die Unternehmensinteressen, die nicht gestört werden dürfen. Man weiß ja: „Das Kapital ist ein scheues Reh“ – das sich hier vor den wilden Artgenossen abgrenzen muss. Wir hier, ihr dort. Man stärkt die Grenzkontrollen, um das Einddringen und die illegalen Aktivitäten der fremdartigen Lebewesen zu verhindern. Gerne auch mit Gewalt.

„Da hat damals keiner daran gedacht, dass das zu Konflikten führen könnte“.
Also wurde nachgebessert und die Grenzanlage perfektioniert. Jetzt ist das besetzte Gebiet sicher.

Wenn jetzt mancherorts gejammert wird, dass eine Staatsstraße und eine Trabrennbahn am FFH-Gebiet gebaut werden, dann kontert Schober: „Bis jetzt hat sich kein Mensch um das Gebiet gekümmert.“ Erst durch die geplante Nachnutzung erfolge jetzt die Aufwertung der Flächen.
Immer noch wird das „Kümmern“, die „Aufwertung“ durch private „Nachnutzung“ nicht allseits akzeptiert? Der Widerspruch zwischen Mensch und Natur  wird gelöst, indem man die Aufwertung der Kümmerer vor wildwucherndem Naturgeschehen abgrenzt und sie den Menschen erfahrbar und nachvollziehbar, ja akzeptabel darreicht:

Auf irgendeine Weise muss das Areal für die Bevölkerung geöffnet werden. Man muss den Leuten nahe bringen, was hier passiert“, sagt Schober.
Das Ergebnis darf begutachtet, der Naturbetrachtung geöffnet werden: „Seht nur, wie einträchtig und friedlich nicht Vereinbares nebeneinander her existieren kann, solange die lästige Natur nicht unseren profitlastigen Plänen in die Quere kommt“.

Gedacht wird deshalb an einen Aussichtsturm am Rande des alten Flugplatzes. Möglich wären auch Führungen mit Ornithologen und anderen Experten.
So wird der Blick über den Grenzzaun hinüber ins feindliche Lager zum touristischen Highlight für die staunende Bevölkerung. Kindergarten- und Schulkinder werden große Augen machen und erschrocken weinen, wenn sie die anstürmenden Tierkörper sehen, die verzweifelt versuchen, die Grenzanlagen zu überwinden. Oder gähnen, wenn sich „drüben“ (erb)ärmlicherweise so gar nichts regt und nur Gras und Bäume zu sehen sind. Da fehlt dann nur noch der Klingelbeutel.

Mit dem Lärm manchmal quietschender Reifen (von BMW), dem Verkehr einer Umfahrung und zu einer Trabrennbahn könne man vergleichsweise leben.
„Schaut mal, Kinder“, wird es heißen: „So oder so ähnlich sah Natur mal aus. Aber bitte nur schauen und die lieben Tiere nicht stören! Und vom Lärm hinter euch lasst ihr euch dabei bitte nicht ablenken!“ Denn:

„Hier am alten Flugplatz im Süden von Maisach ist man mitten in der Natur – und doch auch wieder nicht.“
Und zum guten Schluss wird es heißen: „Danach, liebe Kinder, schauen wir uns noch das Düsenjäger-Denkmal an und gehen ins Militärmuseum. Damit ihr wisst, wozu wir Menschen noch alles fähig sind!“