Monatsarchiv: Oktober 2017

Trend zur Versiegelung – nicht nur in Puchheim

Das Brucker Tagblatt berichtete am 29.10.17: „Puchheim will seine Grünflächen erhalten“. Doch das geltende Baurecht reicht dafür nicht aus. Flächen versiegeln ist auch Privatleuten erlaubt und Vorgärten sind nicht vorgeschrieben. Eine spezielle Satzung umgeht in München dieses Problem: „Deren Freiflächengestaltungssatzung gibt unter anderem vor, dass Flachdächer und großflächige Außenwände zu begrünen sind. Letztere zum Beispiel mit Kletterpflanzen. Für jeweils fünf Stellplätze ist zudem ein großer Laubbaum vorgeschrieben. Zufahrten sind auf ein Minimum zu beschränken. Außerdem sollen diese in der Regel wasserdurchlässig sein.“ Die Puchheimer CSU bezweifelt „ob ein solches Instrument für die Stadt Puchheim hilfreich sein kann“. Außerdem könnten auch Steingärten schön sein und Vorgärten in Puchheims Einkaufsmeile seien eher hinderlich. Ist das so zu verstehen, dass Rasenboden und Bepflanzungen die Geschäfts- und Konsumvorgänge in Puchheims Einkaufsstraße behindern könnten, weil der Raum fürs Parken von Autos und Fahrrädern darunter leiden würde? Denn ästhetische Gründe kann die Ablehnung einer „Freiflächengestaltungssatzung“ kaum haben. Die übrigens auch gesundheitliche Effekte hätte: Begrünung schluckt bekanntlich Feinstaub und Stickstoffdioxid und senkt sommerheiße Temperaturen. Wenn man es richtig macht. Hierfür liegen Forschungsergebnisse vor. Letztlich senkt das auch die Kosten erwartbarer Negativfolgen, setzt man Einkaufsstraßen den Umweltbelastungen schutzlos aus. Nach Schätzungen der EU-Kommission kosten die Mikropartikel in der Luft jährlich 300.000 Europäern das Leben.
Fakten über »Green City Solutions«: hier und hier.

„Kleine Lösung“: Nicht alle Fakten werden Bürgern öffentlich zugänglich sein

Die Brucker SZ vom 25.10.17 meldet über den Ausgang der Stadtratssitzung: Ohne Begründung werden vor Sitzungen Akten und Sachvorträge im Netz einsehbar gemacht. Aus dem SZ-Bericht: Antragsteller Andreas Ströhle sowie BBV, Grünen und Teilen der SPD geht die Regelung nicht weit genug … Sie fordern letztlich vergeblich, auch Pläne und Anhänge vorab zu veröffentlichen … Originalanträge, Bau- und Lagepläne, Satzungsentwürfe oder sonstige Anhänge online zu stellen … Für eine komplette Freigabe nach Münchner Vorbild plädierten auch Jan Halbauer (Grüne) und Alexa Zierl (Die Partei und Frei). Sensible Daten dürften eben „gar nicht erst in die Unterlagen“ gelangen … Der BBV-Stadtrat … scheiterte mit seinem Anliegen unter anderem an rechtlichen Bedenken. Denn die Stadtverwaltung müsste nach eigener Einschätzung alle Unterlagen vor einer Veröffentlichung filtern und sensible Angaben, die unter den Datenschutz oder das Geschäftsgeheimnis fallen könnten, herauslöschen oder schwärzen …
Wahrlich „schlagende“ sowie kabarettreife Argumente sorgten für eine mehrheitliche Ablehnung der sogenannten „großen Lösung“: Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) hält eine völlig ungezügelte Veröffentlichung für kontraproduktiv. Es gebe Angelegenheiten, die außerhalb der Stadt niemanden etwas angingen und die deshalb auch nicht weltweit abrufbar sein sollten … Bürger könnten von der Informationsfülle auf Hunderten Seiten förmlich „erschlagen“ werden und für eine „große Lösung“ … müsse mindestens eine zusätzliche Halbtagsstelle geschaffen werden.
Unsere Meldung vom 18.10.: „
Geheimnisvolle Daten – Informationsfreiheitssatzung für FFB“

 

Bund Naturschutz: „Schleifring lässt abholzen“

Pressemitteilung des Bund Naturschutz – Ortsgruppe FFB: Warum diese Empörung vieler Brucker Stadträte? Da werden Krokodilstränen vergossen, weil die Fa. Schleifring auf ihrem Grundstück in der Hasenheide den bestehenden Wald komplett hat abholzen lassen, um dort Parkplätze einzurichten. Sowohl Forstamt als auch der Bund Naturschutz haben sich in ihren Stellungnahmen vehement gegen eine Abholzung dieser siedlungsnahen Waldflächen ausgesprochen. Ihre Funktionen als Lärmschutzwald, lokaler Klimaschutzwald und Erholungswald sind auch im Flächennutzungsplan der Stadt FFB festgelegt. Seit Jahren genehmigt der Stadtrat Bebauungspläne, die das Fällen vieler Bäume, sogar die Rodung von wertvollen und schützenswerten Waldstücken und Parkanlagen beinhalten. Zu nennen sind die Erweiterung der Fa. Schleifring 2007, der Bau der psychiatrischen Klinik, die erneute Ausdehnung der Fa. Schleifring, die Fällungen im Kester-Häusler-Park, etc. Und es soll so weitergehen. In der Industriestraße sollen 70 Bäume der Umgestaltung des Areals zum Opfer fallen und auch beim Bauvorhaben in der Senserbergstrasse werden weitere Bäume gefällt werden. Bei all diesen Baumaßnahmen hat der Stadtrat die zentrale Vorgabe des Bundes-Naturschutzgesetzes verletzt. Es heißt dort im § 13 Allgemeiner Grundsatz: Erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind vom Verursacher vorrangig zu vermeiden. Die Ortsgruppe FFB des Bund Naturschutz hat sich in Stellungnahmen, Ortsbesichtigungen, einem Pressegespräch und auch in Gesprächen mit den Fraktionen des Stadtrates gegen diese Fällungen ausgesprochen und auch auf Alternativen hingewiesen. Ohne Erfolg! Dem Stadtrat war das Wohl der Unternehmen und Investoren wichtiger als das seiner Bewohner und der Umwelt. Wir haben die umfangreichen Rodungen abgelehnt, weil dadurch Teile des Brucker Grünzugs verloren gingen. Bäume, Sträucher und Grünflächen sind in Bezug auf das Kleinklima von immenser Bedeutung, als Korridor für die Frischluftzufuhr und Kühlfunktion der Wohngebiete, aber auch für die Vernetzung von Flora und Fauna. Wälder und Bäume dienen dazu, die Anwohner in den Städten vor den Einflüssen der zunehmenden Umweltverschmutzung und des Klimawandels mit seinen längeren Hitzeperioden zu schützen. 2016 war das bislang wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globalen Temperaturen lagen um 0,94 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts. Es war damit das dritte Rekordjahr in Folge (SZ 18.1.17). Bäume und Sträucher dienen der Luftverbesserung und der Lärmminderung. Um diese Schutzfunktion erfüllen zu können, benötigen die Grünzüge eine zusammenhänge Fläche. Entscheidend ist auch die Verteilung der Grünflächen. Studien haben ergeben, dass der Abkühlungseffekt (selbst) eines großen Parks ein, zwei Straßen weiter schon nicht mehr messbar ist. Mehrere kleine Grünflächen und Straßenbäume, gleichmäßig auf die Stadt verteilt, verbessern das Stadtklima nachhaltiger. Dem Erhalt von alten Bäumen mit entsprechend großen Kronen ist deshalb Vorrang einzuräumen vor einem Ersatz durch Neuanpflanzungen! Neuanpflanzungen als Ausgleich außerhalb der Stadt verbessern das Klima in der Stadt nicht. Wälder, alter Baumbestand und Grünflächen in der Stadt gewinnen deshalb immer größere Bedeutung. Sie sind nicht nur ein Naherholungsgebiet für uns Menschen, sie leisten auch einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Klimaschutz. Wir fordern deshalb den Stadtrat auf, bei Bauvorhaben, dem Grundsatz des Naturschutzgesetzes Rechnung zu tragen und alternativen Planungen, die Bäume und Grünzüge erhalten, den Vorzug zu geben.
Bund Naturschutz Ortsgruppe Fürstenfeldbruck / Emmering: Friedrich Meyer-Stach, Ortsvorsitzender, Zeppelinstraße 10, 82256 Fürstenfeldbruck, Tel.: 08141 20668

Kulturpolitik ohne Happy End

Das Brucker Tagblatt feiert die Neueröffnung des Lichtspielhauses in der Maisacher Straße. Wir haben nun kein Bürgerhaus in Eigenregie für die Brucker Einwohner, dafür ein angeblich „nachhaltiges“ Arthouse-Kino. Natürlich ist es schön, wenn es nun ein anspruchsvolles Kino in Bruck gibt. Was sollte man dagegen haben? Ob das neue Kino tragfähig ist, muss sich erst erweisen. Ob sich die Stadt und ihre Bürger darüber glücklich schätzen, mag sein oder auch nur teilweise. Aber der hochgelobte „Spielraum für kulturelle Veranstaltungen“ scheint, nach allem, was bisher zu erfahren war, doch sehr begrenzt zu sein. Über die vergangenen zwei Jahre hinweg gab es Kritik an der städtischen Kulturpolitik, die Wünsche nach einem offenen Bürgerhaus, für das sich das Kinogebäude eignet, ablehnte. Der Grund dafür war, wie zu erwarten, dass die Stadt dafür kein Geld ausgeben will, weil angeblich dafür keines übrig ist. Andere Projekte haben eben Priorität, hieß es unisono.
Ein Bürgerzentrum, indem soziale und ökologisch arbeitende Gruppen gemeinwohlorientierte Projekte, Veranstaltungen und Ausstellungen verwirklichen können – Fehlanzeige? Ein sogenannter Bürgerpavillon, in dem restriktive und nahezu absurde Vorschriften politische Diskussionen abwürgen – aber ja? Die Stadt hat  anscheinend Geld übrig für den Ankauf von Düsenjäger-Schrott auf dem Fliegerhorst. Die Bundeswehr kann damit neues Kriegsgerät kaufen. Ist das nicht eine absurde Priorität? Ist das die Kultur, die der Brucker Stadtrat seinen Bürgern und Wählern vorschreiben will?

Rüstungsfirma Schleifring führt Regie in Bruck

Meldung in der Brucker SZ vom 19.10.17: Schleifring hat im Gewerbegebiet Hasenheide mehr als einen Hektar Wald gerodet, um dort vor allem Stellplätze anzulegen. Viele Stadträte sind empört und werfen dem Unternehmen vor, sich nicht an Vereinbarungen zu halten … Die von Schleifring beantragte Fällung von vier weiteren Eichen am nördlichen Straßenrand wurde abgelehnt – als Hebel für weitere Verhandlungen … Die Stadträte jedenfalls hatten es erklärtermaßen so gemeint, dass auch die Bäume nur dort Stück für Stück gefällt werden … Die Fällung von vier um die 40 Jahre alten Eichen, die auf dem nördlichen Firmenareal zwei geplanten Zufahrten im Wege stehen würden, wurde von einer großen Mehrheit aber untersagt … Am südlichen Rand der Maisacher Straße sind auf einem großen Grundstück die Bäume gefällt worden … Schleifring hat im Gewerbegebiet Hasenheide mehr als einen Hektar Wald gerodet, um dort vor allem Stellplätze anzulegen … Weil man aber „heute nicht mehr viel zurückdrehen“ könne (Hans Schilling, CSU), will eine deutliche Mehrheit der Stadträte bei Anliegen der Firma Schleifring künftig sehr restriktiv sein – wohl wissend, dass man es sich schwerlich leisten kann, einen der wichtigsten Gewerbesteuerzahler der Stadt ganz zu verprellen. Gleichwohl soll nun Spielraum für Nachverhandlungen ausgelotet werden …
Ausgleichsangebot der Stadt: Ihr unterschreibt einen städtebaulichen Vertrag über ein Parkdeck, wir helfen euch und genehmigen auch die Fällung der vier Eichen … Offen ist, ob sich Schleifring auf so einen Deal einlässt, würde der doch die Baukosten in die Höhe treiben.
Aus einem Kommentar der Brucker SZ vom 19.10.17: Die Firma Schleifring hat auf ihrem Grundstück flächendeckend abgeholzt und damit den Stadtrat richtig vorgeführt. Wer eine Regelung verabschiedet, die sinngemäß lautet, die Bäume dürfen nach Bedarf umgehauen werden, hat nichts anderes verdient … Bereits 2007 hat die Mehrheit einer Erweiterung von Schleifring zugestimmt, damals um etwa 11 000 Quadratmeter, jetzt um zwei Flächen mit insgesamt 14 000 Quadratmetern. Ausgleichsflächen kann man sowieso vergessen, denn für Naturzerstörung und Versiegelung gibt es keinen Ausgleich, allenfalls einen Ablasshandel oder Alibiaktionen wie die Teilnahme eines Schleifring-Teams beim Stadtradeln. Der Kahlschlag wird weitergehen, demnächst auch nebenan auf dem Fliegerhorst-Gelände, wo ein schöner Wald verwertet werden will.

Kostenübernahme für die Verhütung bedürftiger Menschen?

Ab kommendem Jahr bekommen bedürftige Menschen im Landkreis erstmals die Kosten für Langzeit-Verhütungsmittel oder eine Sterilisation erstattet. Zur Begründung des Kreisausschusses heißt es in der Brucker SZ vom 16. Oktober 2017: „… dass ärmere Menschen oft auf Verhütung oder Sterilisation verzichten, wenn ihre finanziellen Mitteln nur knapp zum Leben reichen. Die Folge seien unerwünschte Schwangerschaften, Konflikte und Abtreibungen.“ Von Thomas Karmasin (CSU) kam die irritierende Bemerkung, „die Übernahme solcher Kosten könnte in der Öffentlichkeit als ethisch problematisch erscheinen, ‚aber bei manchen Menschen ist es besser, wenn sie sich nicht vermehren‘.“ Nimmt man sie wörtlich und ernst, ist sie zynisch und menschenverachtend. Sie reiht sich leider ein in weitere unsoziale Äußerungen und Entscheidungen im Kreisrat aus seinem Mund.
Zeitgleich meldet sich die „Nationale Armutskonferenz“ zu Wort: „Eines der größten Armutsrisiken in Deutschland ist, eine Frau zu sein.“ Die verschiedenen Aspekte der Armut von Frauen hat die Nationale Armutskonferenz jetzt in der Broschüre „Armutsrisiko Geschlecht. Armutslagen von Frauen in Deutschland“ zusammengefasst und gemeinsam mit dem Aufruf „Armut von Frauen in Deutschland nicht länger hinnehmen“ veröffentlicht. Sowohl in jungen Jahren als auch im Alter sind Frauen deutlich stärker armutsgefährdet als Männer. „Die Gründe dafür sind vielfältig: Frauen sind aktiv und engagiert. Sie kümmern sich um die Kinder, sie pflegen altgewordene Angehörige, sie wirken ehrenamtlich mit in der Kita oder Schule, im Sport oder in sozialen Initiativen. Sie bringen über die Hälfte mehr Zeit unentgeltlich in die Sorgearbeit ein als Männer (plus 52,4%). Als Dank ernten sie schlechte Rückkehrchancen in den Beruf, prekäre Arbeitsverhältnisse und deutlich geringere Renten“, erklärt Barbara Eschen, Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz. Sophie Schwab, stellvertretende Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, weist auf drei zentrale politische Forderungen hin: „Es gilt erstens den Gender-Pay-Gap zu schließen, das heißt mehr Vollzeitjobs für Frauen und gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Zweitens müssen Berufe, in denen vorwiegend Frauen tätig sind, wie im Einzelhandel oder im Sozial- bzw. Gesundheitswesens, dringend monetär aufgewertet werden. Und drittens darf die Sorgearbeit für Kinder oder zu pflegende Angehörige nicht länger die Ursache dafür sein, in Armut zu geraten.“ Die „Nationale Armutskonferenz“ stellt eine Broschüre zu Armutslagen von Frauen vor: „Armutsrisiko Geschlecht – Positionen und Forderungen der Nationalen Armutskonferenz zu Armutslagen von Frauen in Deutschland“.

Geheimnisvolle Daten – Informationsfreiheitssatzung für FFB

Am 12.10.17 meldete das Brucker Tagblatt:In Bruck soll die sogenannte Informationsfreiheitssatzung helfen, Kommunalpolitik transparenter zu machen.“ Was den Bürgern in nichtöffentlichen Sitzungen an Information vorenthalten wird, regelt u. a. das Datenschutzgesetz. Was gut klingt, enthält vielerlei Lücken und somit die Möglichkeit für Spezis, Kumpel und Amigos, gewisse Details unter sich auszumachen. Das Tagblatt: „Um Kommunalpolitik transparenter zu machen, sollen sich nun Bürger diese Informationen einfach beschaffen können. Doch wie viel Transparenz verträgt die Öffentlichkeit?“ Ja, wieviel vertragen wir?
Wir zitieren aus einem Artikel auf „gradraus – Informationsplaltform für den Chiemgau und den Rupertiwinkel“: „Tatsächlich gibt es nur sehr wenige, genau definierte Gemeinde-Angelegenheiten, die laut Gemeindeordnung in nichtöffenlicher Sitzung behandelt werden dürfen und müssen. Die Praxis in vielen Gemeinden sieht allerdings anders aus: Da möchten Bürgermeister unbequeme Fragen von ihren Bürgern vermeiden oder sie befürchten, dass unliebsame Diskussionen in der Öffentlichkeit losgetreten werden. Deshalb verlegen sie manch heiklen Tagesordnungspunkt gleich vorsorglich in die nichtöffenliche Sitzung … In Städten und Gemeinden, in denen es ersatzweise eine kommunale Informationsfreiheits-Satzung gibt, haben die Bürger schon jetzt ein Recht darauf und auch die praktische Möglichkeit, das Abstimmungsverhalten zu erfragen. Sie können diese Information dann auf geeignetem Weg selbst – etwa über Lokalblogs im Internet – öffentlich machen. Dies ist ein wesentlicher Schritt hin zu einer bürgernahen Demokratie.
Das Tagblatt: „Es gibt zwei Lager … Bürgerbeteiligungsreferent Andreas Ströhle (BBV) sowie Teile seiner Fraktion, die SPD und die Grünen fordern, dass jeder auf alle Sitzungsunterlagen zugreifen kann, die auch den Stadträten zur Verfügung stehen … Die Verwaltung, CSU, Freie Wähler und FDP sind skeptisch. Sie befürchten einen Missbrauch sensibler Daten. Sie waren dafür, nur die Sachvorträge zu veröffentlichen, also nur die Erklärungen der Verwaltung zu einem besonderen Thema … FDP-Stadtrat Klaus Wollenberg findet Ströhles Vorschlag ‚höchst problematisch‘. Er … ist der Ansicht, dass die Betroffenen ihre Meinung zurückhalten, wenn sie wissen, dass die Stadt ihren Namen online verbreitet … Die Mitglieder des Hauptausschusses haben die Informationsfreiheitssatzung einstimmig auf den Weg gebracht. Mit 8:6 Stimmen votierten sie dafür, nur Sachanträge zu veröffentlichen.
So nutzen geheim bleibende Informationen allein den einzelnen privat bleibenden Datennutzern.
Das Tagblatt: „Verwaltungschef Roland Klehr sprach von nicht zu unterschätzender „krimineller Energie, die sich der Informationen bedienen könnte.“ Geheimhaltung hilft jedoch gewissen Spezis, Kumpels und Amigos, gewisse Details wie eh und je unter sich auszumachen. Mit den Ergebnissen müssen wir Bürger, etwa 99 %, danach leben, ob es uns passt oder nicht.
Der Ausspruch des Innenministers Thomas de Maizière, „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, scheint den FDP-Stadtrat Klaus Wollenberg beflügelt zu haben, zu sagen: „dass die Menschen überfordert sein könnten, wenn ihre Namen bei städtischen Angelegenheiten im Internet auftauchen würden“ (Brucker Tagblatt). Sensible Daten lassen sich schwärzen, deshalb müssen die Vorgänge selbst nicht geheim bleiben. Wer etwas plant, das sich auf unser aller Gemeinwesen und Zusammenleben auswirkt, sollte den Mut aufbringen, seinen Namen zu nennen.
Derzeit haben 4.736.880 (37 %) Einwohner in Bayern Akteneinsichtsrecht gemäß kommunaler Informationsfreiheit im Bereich des eigenen Wirkungskreis der Gemeinden (Stand: 2017-10-18).
Bericht im Kreisboten. – Mehr Infos.

Wasserrecycling könnte 96 % des Wasserverbrauchs abdecken

Das Brucker Tagblatt meldete am 12.10.17: Die Gemeinde Emmering hat 2016 350 Millionen Liter Wasser verbraucht. Für die Toilette, Duschen oder Waschen braucht jeder Emmeringer rund 125 Liter täglich … Die Wasserqualität ist sehr gut. Die Nitratbelastung des Grundwassers ist für Emmering ebenfalls kein Problem … 36 Prozent für Baden und Duschen, 27 Prozent für die Toilette, zwölf Prozent für Wäschewaschen und jeweils sechs Prozent für Geschirr spülen und Garten- beziehungsweise Autopflege … Lediglich vier Prozent dienen Essen und Trinken … „Wir haben es hier mit sogenanntem Tertiärwasser zu tun. Das heißt, es ist über 100 Jahre alt und so frei von Pflanzenschutzmitteln oder Nitratverunreinigungen.“ – „Das sollte man sich mal vor Augen halten, wie viel wir tatsächlich vom Frischwasser zum Trinken verwenden. Alles andere könnte man mit einem nicht so reinen Wasser auch machen“, berichtete Erich Eggerstorfer von der Energie Südbayern.
Es gibt alternative Wassernutzungsmöglichkeiten, um die erdgeschichtlich wertvollen Wasservorräte unter unseren Böden vor Verschmutzung und letzlich Vernichtung zu schonen bzw. zu retten. Eine fachlich versierte Darstellung: „Perspektiven für neue Abwasserkonzepte“, von Ralf Otterpohl, Technische Universität Hamburg-Harburg. Kapitel in seinem Bericht: Willkommen in der Zukunft – Null-Emissions-Konzepte in der kommunalen Abwasserwirtschaft, Nachteile der konventionellen Abwasserwirtschaft, Regionalplanung in der Abwasserwirtschaft, Grundlegende Betrachtungen zum Modell der Sanitärsysteme mit Teilstrombehandlung und zum richtigen Wassermanagement, Kostengünstige wartungsarme vor-Ort-Systeme, Verbesserung der bestehenden Abwasserinfrastruktur.

Krieg verteidigt nicht die Kultur, er widerspricht ihr in allem!

Stellungnahme des Herausgeberkreises des Internetportals „FÜRSTENFELDBRUCK AKTIV – Information und Diskussion für eine gemeinwohlorientierte Stadt- und Landpolitik“:
Kampfjets als Denk-Mal?
Der Konversionsausschuss im Stadtrat überlegt, stillgelegte Düsenjäger auf dem Fliegerhorst mit städtischem Geld der Bundeswehr abzukaufen, um sie als Erinnerungs-Denkmäler auszustellen.

Unsere Meinung: Ist das nützlich oder kann das weg? So kann das berühmt gewordene Wort der Reinigungskraft beim Anblick einer Kunstinstallation von Joseph Beuys – „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – aktuell gewendet werden. Die Antwort fällt uns nicht schwer: Das ist Schrott, der für todbringende Kriegseinsätze gemacht wurde. Noch immer werden Kampfjets und Bomben gebaut und von der Bundeswehr weltweit eingesetzt. Neben vielerlei anderem Kriegsgerät. Das ist weder Kunst, noch kulturell wertvoll und schon gar nicht von Nutzen für ein friedvolles Miteinander. Weshalb nicht? Der Psychoanalytiker, Theologe und Schriftsteller Eugen Drewermann sagt es so:
„Stellen Sie sich vor, wir hätten die letzten 25 Jahre die enormen Anstrengungen für Rüstung konvertieren können für die wirkliche Lösung der Probleme der Welt: Hunger, Elend, Naturzerstörung, Analphabetismus, Seuchen, Krankheiten … Stattdessen wird die Bevölkerung bei Katastrophen gebeten, in den nächsten sechs Wochen persönlich zu helfen, etwa für die Katastrophe in Mexiko, in Haiti oder sonst wo … Unsere Feinde wären aber nicht unsere Feinde, würden wir mit ihnen reden und versuchen, sie zu verstehen. Für jeden Mann und jede Frau ist das die normale Form der Versöhnung, warum sollte sie zwischen Staaten nicht möglich sein? … Drei Viertel aller Opfer sind Kinder, sind Frauen, sind alte Leute. Und dann will man den Sieg feiern … der Krieg verteidigt nicht die Kultur, er widerspricht ihr in allem.“
Wem nutzt Kriegsgerät? Den Millionen Toten und Kriegsversehrten nicht. Den zum Kriegsdienst Verpflichteten nicht. Den Notleidenden und Drangsalierten nicht. Den Arbeitenden und Arbeitslosen nicht. Den Lernenden und Kindern nicht. Allen Lebenden nicht, weil Krieg ihr Leben bedroht. Aber den Produzenten sehr viel, weil davon ihr Geldbeutel klingelt. Auch psychotischen Militärjunkies, denen Kampfhandlungen als Drogenkick dienen.

Deswegen sagen wir: Keine städtischen Gelder für die Bundeswehr, die damit neue Waffen von Heckler & Koch kauft! Weg mit dem Kriegsschrott! Die Rüstungsfabrikation konvertieren!
Sich dafür einzusetzen, wäre die Aufgabe der gewählten Politiker einer Stadt mit einer unseligen Militärvergangenheit, indem sie vor Ort konkrete Politik für den Frieden auf der Welt machen und so unseren Kindern als Vorbild dienen. Und es wäre die Aufgabe eines OBs, der sich der weltweiten Organisation „Mayors for Peace“ verbunden fühlt und so seine Ernsthaftigkeit unter Beweis stellt.

Kulturraum Fürstenfeldbruck – Herausgeberkreis des Internetportals www.ffbaktiv.de.

Karikatur als Kommentar von Guido Zingerl, Kunstpreisträger 1985 des Landkreises Fürstenfeldbruck:

Militärschrott als Denkmäler?

Die Brucker SZ berichtete am 18.9.17: „Historisches Erbe mit Flügeln. Kreisstadt bekundet beim Bund grundsätzliches Interesse an bis zu sechs demilitarisierten Düsenjägern und Propellerflugzeugen. Die Exponate könnten nach Abzug der Luftwaffe an die Geschichte des Fliegerhorsts erinnern“.
Das Brucker Tagblatt am 20.9.17: „Konversionsausschuss - Stadt will alte Militär-Flugzeuge kaufen. Kampfflugzeuge im Besitz der Stadt? … Die CSU stellt sich vor, einigeausrangierte Flugzeuge in Fursty zu erwerben und als Denkmal stehenzulassen.“
Zu den Beiträgen erschienen in der Brucker SZ am 27. September 2017 zwei Leserbriefe: „Fliegerhorst Bruck soll eine Friedensbotschaft aussenden … SZ-Leser kritisieren eine Ausstellung von Waffentechnik und plädieren für eine Erinnerungskultur, die aufklärende Bildungsarbeit an den Schulen in den Vordergrund stellt“:

Kampfjets im Fliegerhorst als Denkmal?
Wem nutzt die Ausstellung alter Waffentechnik auf dem geplanten Wohnungsbaugelände Fliegerhorst? Laut dem Spitzenkandidaten der AfD, Alexander Gauland, „… haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. So relativiert man Verbrechen. Ehrliche Erinnerungskultur benennt das Negative, fragt nach Alternativen, diskutiert sie und fordert sie ein. Mit alten Düsenjägern, weil sie zur „Brucker Luftwaffen-Geschichte“ gehören? Altes Kriegsgerät auszustellen begleitet bloß die Pflege einer tödlichen und traurigen Tradition. Das wäre Simulation von Geschichtsbewusstsein. Sollte nicht endlich eine positive begründet und gepflegt werden? Sollte vom Fliegerhorst, auf dem schreckliche Ereignisse stattfanden, nicht besser eine Friedensbotschaft ausgehen?

Was traumatisierte Geflüchtete, zu erwartende Besucher und später Mieter auf dem Gelände sehen sollen, ist ein Militärmuseum und eine Militärkirche, sind etliche denkmalgeschützte Nazigebäude und dazu Kampfjets – zusammen „historisches Erbe“ genannt. Wenn an militärische Tradition erinnert werden soll, wären dann nicht Bilder von den Folgen militärischer Aktionen passender: Kriegsaufmärsche, zerbombte Städte, zerfetzte Leichen und die Zerstörung ganzer Landstriche? Und Bilder von Ertrinkenden, vom Elend der Menschen an Grenzzäunen, von provisorischen Massenquartieren, in denen sie erniedrigt werden – weil wir die fliehenden Kriegsopfer abweisen? Nein, das will man niemandem zumuten.
Stattdessen wäre eine Installation denkbar, die sich an der „Non Violence“-Skulptur orientiert, einem verknoteten und so funktionsuntüchtig gemachten Revolver vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Aus einem der Düsenjäger könnten Künstler eine „Non War“-Installation gestalten, die dem Begriff „Denk-Mal“ zur Ehre gereicht, die angesichts des anschwellenden Kriegsgeschreis und neuen Rüstungswettlaufs eine Friedensbotschaft ausstrahlt und ungute Wehrmachtstraditionen infrage stellt. Daran könnten aufklärende Bildungsmaßnahmen in Schulen unserer Stadt anknüpfen. So wäre eine neue und bessere Erinnerungskultur auf den Weg gebracht. Machen wir Bruck zu einem Vorbild für Friedenspädagogik! Steht OB Erich Raff zu seiner Mitgliedschaft im weltweiten Bündnis „Mayors for Peace“? Dann setzt er sich dafür ein und wird berühmt!
Harald Buwert, Olching

Kein Museum für Militärschrott
In der Diskussion um eine Gedenkstätte auf dem Fliegerhorst kann ich nur der Meinung von Herrn Setzwein zustimmen: Weg mit altem Kriegsschrott und schon überhaupt kein Geld der Steuerzahler dafür. Wie schwach hier die Begründung des von mir geschätzten Herrn Bierl für seinen gegenteiligen Standpunkt ist, zeigt schon allein, dass er seine Forderung nach Ankauf und eine Art Museum als „selbstverständlich“ bezeichnet.

Selbstverständlich ist bei einer solchen Diskussion rein gar nichts! Nach meiner Meinung brauchen wir kein solches Museum für alten Militärschrott oder auch Kriegshelden. Andere Nationen sollten ebenfalls die Finger davon lassen, egal ob es sich um angeblich ruhmvolle Schlachtfelder, Kriegsgerät oder Kriegshelden wie den Alten Fritz, Napoleon, Bomber Harris oder andere handelt. Dafür brauchen wir Orte, wo die Verbrechen und Schrecken der Kriege und verbrecherischer Ideologien verdeutlicht werden, zum Beispiel Verdun, Langemarck, Dachau, Oranienburg, Hiroshima, Nagasaki, Katyn, Bautzen, und anders mehr
Wir brauchen auch kein weiteres Flugzeugmuseum. Wer so ein Museum besuchen will, kann ins Zweigmuseum des Deutschen Museums bei Schleißheim gehen. Dorthin gehören auch die in Fürstenfeldbruck gesammelten Erinnerungsstücke an die alte Fliegerschule. Wir haben überhaupt manche unnötigen und nur finanzielle Verluste bringende Ausstellungen und Orte der „Erinnerungskultur“. Das Gelände des Fliegerhorstes könnte man viel sinnvoller für den Wohnungsbau nutzen, möglichst auch teilweise für Kriegsflüchtlinge.
Das wäre dann auch ein kleiner Beitrag zu Wiedergutmachung und Völkerversöhnung. Zur Erinnerung an den Fliegerhorst würde auch eine Gedenktafel, vielleicht auch in Kombination mit einem Gedenken an das schreckliche Geschehen bei den Olympischen Spielen 1972, vollauf genügen.
Dr. Ludwig Kippes, Puchheim